Energiesparhäuser am LandwehrkanalBeitrag von Anne Funk und Dirk Kaden

• Lage: Lützowufer 1A–5A
• Bautyp: Wohnhäuser
• Bauzeit: 1983–85
• Bauherr: TRIA-FONDS 1–5, vertreten durch TRIA Immobilienanlage und Verwaltungs-GmbH Berlin
• Architekten: Bernd Faskel, Vladimir Nicolic, Manfred von Gerkan, Volkwin Marg (von Gerkan, Marg und Partner), Hans-Joachim Pysall, Jensen, Peter Stahrenberg (PJS Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner), Martin Kilpper (Kilpper & Partner), Manfred Schiedhelm mit Karen Axelrad
• Gartenarchitekt: Hannelore Kossel

Die Energiesparhäuser am Landwehrkanal entstanden im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Berlin 1987. Die aus fünf Häusern bestehende Wohnanlage im Block 647 befindet sich als Projekt 28 im Demonstrationsgebiet Südliches Tiergartenviertel der IBA 87.[1]

Folgende Architekten bzw. Büros zeichneten für die Gebäude und Anlagen verantwortlich:
• Bernd Faskel und Vladimir Nicolic: Haus 1, Lützowufer 1A/B
• von Gerkan, Marg und Partner: Haus 2, Lützowufer 2/2A
• PJS Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner: Haus 3, Lützowufer 3/3A
• Kilpper & Partner: Haus 4, Lützowufer 4/4A
• Manfred Schiedhelm mit Karen Axelrad: Haus 5, Lützowufer 5/5A

Energiesparhäuser Lützowufer 1A-5A, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Energiesparhäuser Lützowufer 1A–5A, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Die städtebauliche Ausgangssituation vor den IBA-Planungen
In den 1880er Jahren begann mit dem Bau des Berliner Pumpwerks VII (1881–84) im Blockinneren die städtebauliche Entwicklung des heutigen Blocks 647, dem in den Folgejahren weitere Fabrikgebäude, eine Schule, Mietwohnhäuser in der Genthiner Straße und Kurfürstenstraße sowie das Verwaltungsgebäude des Statistischen Reichsamtes am Lützowufer folgten. Das Grundgerüst bildete der Bebauungsplan für Berlin, Charlottenburg und Umgebung („Hobrechtplan“) von 1859/60. Im 2. Weltkrieg wurde ein Teil der Bebauung des Blocks zerstört. In den 1960er Jahren erfolgte die Errichtung von Gewerbe- und Geschäftsbauten an der Lützowstraße/Genthiner Straße. Nachdem das Pumpwerk knappe hundert Jahre in Betrieb war, erfolgte dessen Stilllegung 1982. Den Block prägte eine inhomogene Baubauungsstruktur mit unterschiedlichen Nutzungen. Zwischen dem Altbau Lützowufer 1/Genthiner Straße 2 und dem Verwaltungsgebäude des ehemaligen Statistischen Reichsamts Lützowufer 6/8 bestand eine größere Baulücke. Dieses Grundstück (Lützowstraße 1A–5A) gehörte der Bundesrepublik Deutschland.

Die städtebauliche Aufgabe/Demonstrationsziele der IBA
Mit dem Bau der Energiesparhäuser sollte eine Bebauungslücke am Lützowufer geschlossen und verschiedene bauliche und technische Möglichkeiten der Energieeinsparung im mehrgeschossigen Mehrfamilienhausbau erprobt werden.[2]

Energiesparhäuser Lützowufer 1A–5A, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Energiesparhäuser Lützowufer 1A–5A, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Die Internationale Bauausstellung 1987 definierte folgende Demonstrationsziele: „Wiederherstellung des Stadtraums am südlichen Kanalufer durch eine Wand aus eng stehenden individualisierten Einzelnkörpern“, „Optimierung „passiver“ Energiesparmaßnahmen in der Ausbildung der Grundrisse im Zusammenhang mit der Gebäudehülle und den „aktiven“ technischen Lösungen der Energieversorgung durch unterschiedliche Systeme zu gleichen Baukosten je Haus“, „Erprobung 5 unterschiedlicher Konzepte in einem Langzeitversuch unter dem Aspekt der Wohnqualität, der Energiekosten und der Wartungskosten der technischen Systeme (Wärmepumpen, Wärmerückgewinnungsanlagen, Sonnenkollektoren)“.[3]

Bauliche Daten und Beschreibung/Beschreibung Energiekonzept
Bei der Wohnanlage der Energiesparhäuser am Landwehrkanal handelt es sich um eine Blockrandbebauung mit insgesamt 69 Wohnungen. Bauherr ist die TRIA Immobilienanlage und Verwaltungs-GmbH Berlin. Bauträger ist die GeWiBau Gesellschaft für wirtschaftliche Baubetreuung mbH & Co. Bauverwaltungs KG, Berlin. Der Wohnungsbau erfolgte als Sozialer Mietwohnungsbau im 1. Förderweg mit einer Zusatzförderung der Bundesrepublik Deutschland für Energiesparmaßnahmen. Die Verwaltung der Wohnanlage erfolgt durch das Unternehmen Becker & Kies Finanzierungs-AG & Co Verwaltungs-KG. Die Baugruppe besteht aus fünf 6-geschossigen Häusern, die jeweils durch 2-geschossige Zwischenbauten miteinander verbunden sind. Die Fassaden der auf einem quadratischen Grundriss stehenden Häuser sind symmetrisch aufgebaut. Alle Gebäude sind in unterschiedlicher Intensität auf der Straßen- und der Hofseite berankt. In jedem Haus befinden sich zwölf 3-Zimmer-Wohnungen und in den Zwischenbauten in der Regel je zwei 2-Zimmer-Wohnungen. Die Außenanlagen wurden nach einen Entwurf der Gartenarchitektin Hannelore Kossel realisiert.[4]

Haus 1, Lützowufer 1A und 1B:
Das Haus 1 wurde von den Architekten Bernd Faskel und Vladimir Nicolic entworfen. Das würfelartig aufgebaute Haus mit einer weißen Steinfassade schließt mit einem pyramidenförmigen Walmdach ab. An den Hausecken befinden sich jeweils verglaste Wintergärten. Das Treppenhaus auf der Straßenseite tritt als Risalit leicht aus der Fassade heraus. Der anschließende flachgedeckte Zwischenbau besitzt ebenfalls eine weiße Steinfassade. Die Planung der Energietechnik übernahm das Unternehmen HI-PLAN, Ingenieurgesellschaft für Haustechnik Köln. Das passive Energiekonzept umfasst neben der Wärmedämmung des Baukörpers den Anbau von Wintergärten. Das aktive Energiekonzept setzt sich aus dem Betrieb der Fußbodenheizung mit einem Niedertemperatur-Gaskessel, der Bereitstellung von Warmwasser durch die Rückgewinnung der Wärme aus Abluft aus den Küchen und Bädern und die Reduktion des Wärmeverlustes durch einen Mindestluftaustausch mit Warmwasserbereitung zusammen.[5]

Haus Lützowufer 1A, Bernd Faskel/Vladimir Nicolic, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus Lützowufer 1A, Bernd Faskel/Vladimir Nicolic, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus Lützowufer 2, von Gerkan, Marg und Partner, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus Lützowufer 2, von Gerkan, Marg und Partner, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus 2, Lützowufer 2 und 2A:
Für das Haus 2 zeichnete das Architekturbüro gmp von Gerkan, Marg und Partner verantwortlich. Das Haus mit einen pyramidenförmigen Walmdachabschluss ist wie der anschließende flachgedeckte Zwischenbau grau verputzt. Auf der Straßenseite tritt risalitartig der Mittelbau auf fünf Geschosse aus dem Baukörper heraus. Auf der Hofseite ist dem Haus mittig über fünf Etagen eine Front kastenartiger Wintergärten vorgebaut. Das 6. Geschoss hebt sich in der Gestaltung von den darrunterliegenden Geschossen ab. Die Planung der Haustechnik kommt vom Büro Herbst Haustechnik GmbH Berlin. Als Maßnahmen des passiven Energiekonzeptes sind die Massivbauweise, die Öffnung des Hauses nach Süden und die Dreifachverglasung der Fenster zu nennen, während im Rahmen des aktiven Energiekonzepts der Betrieb der Fußbodenheizungen mit Hilfe einer Wärmepumpe erfolgt, die Energie aus der Außenluft entnimmt. Des Weiteren kommen Wärmetauscher für die Wohnungslüftung und Abwässer zum Einsatz. Die Flächenheizung der Außenwände ist als Kühlung verwendbar.[6]

Haus Lützowufer 2, von Gerkan, Marg und Partner, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus Lützowufer 2, von Gerkan, Marg und Partner, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus 3, Lützowufer 3 und 3A:
Das Haus 3 entwarf das Büro PJS Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner. Die Fassaden des Hauses und des Zwischenbaus sind verputzt. Der Mittelteil des Gebäudes ist auf der Straßenseite nischenartig über alle Wohngeschosse eingezogen und mit kleinen Wintergärten versehen. Weitere Wintergärten befinden sich auf der Hofseite. An den Ecken des Baukörpers sind kleine Austritte eingelassen. Das Haus schließt über einen ½-geschossigen Drempel mit einem Flachdach ab, auf denen Sonnenkollektoren montiert sind. Für die Planung der Energietechnik war das Büro Haustechnik-Planungs GmbH Berlin verantwortlich war. Das Gebäude verfügt über eine Wärmedämmung und 70 m² Sonnenkollektoren für Warmwasserbereitung. Das aktive Energiekonzept umfasst Passiv/Negativ-Brunnen sowie eine Wärmepumpe für die Grundwasserentnahme der Niedertemperatur-Fußbodenheizung und der ergänzenden Warmwasserbereitung.[7]

Haus Lützowufer 3, PJS Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus Lützowufer 3, PJS Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus Lützowufer 3, PJS Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus Lützowufer 3, PJS Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus 4, Lützowufer 4 und 4A
Das Architekturbüro Kilpper & Partner entwarf das Haus 4. Das Gebäude mit dem anschließenden Zwischenbau ist verputzt. Das Treppenhaus auf der Straßenseite tritt aus dem Baukörper heraus. Hinter einer Attika verbirgt sich das Flachdach. Des weiteren charakterisieren den Bau geschosshohe vollverglaste Wintergärten an den Enden des Baukörpers auf der Straßenseite und zum Teil verglaste Loggien auf der Hofseite. Für die Planung der Energietechnik war das Büro Walter Scheer Stuttgart zuständig. Das passive Energiekonzept beinhaltet eine gute Wärmespeicherkapazität des Gebäudes, die Dreifachverglasung der Fenster und die Nutzung der Wintergärten als Wärmepuffer. Das aktives Energiekonzept beruht auf einer Wärmepumpe, die Außenluft und Wasser für Niedertemperatur-Heizung und Warmwasserbereitung entzieht, eine automatische Steuerung der Heizung und ein bivalentes Heizsystem mit Spitzenlastkessel.[8]

Haus Lützowufer 4, Kilpper & Partner, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus Lützowufer 4, Kilpper & Partner, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus 5, Lützowufer 5 und 5A
Das Haus 5 wurde von Manfred Schiedhelm projektiert. Die Fassaden des Hauses und des Zwischenbaus sind verputzt. Das oberste Geschoss auf der Straßenseite hebt sich mit Dachterrassen von den Untergeschossen mit verglasten Loggien ab. Auf der Hofseite ist dem Bau eine Front von teilverglasten Balkonen vorgebaut. Das Gebäude schließt mit einem flachgeneigten Pyramidendach ab. Markant sind die beiden mittig aus dem Dach ragenden Schornsteine. Das Konzept für die Energietechnik stammt von der Planungsgruppe beratender Ingenieure PBI Berlin. Die hohe Wärmedämmung und Wärmepuffer stehen für das passive Energiekonzept, die zentrale Gasheizung für Fußbodenheizung und Warmwasserversorgung sowie Anschlussmöglichkeiten für Kachelöfen und offene Kamine für das aktive Energiekonzept.[9]

Haus Lützowufer 5, Manfred Schiedhelm, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Haus Lützowufer 5, Manfred Schiedhelm, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Planungs- und Baugeschichte
Ende der 1970er Jahre gab es durch das Bundesbauministerium in Bonn initiierte Überlegungen zum testweißen Bau von Energiesparhäuser und einer Begleitforschung im Rahmen eines Wettbewerbs.[10] Als Baustandorte kamen Berlin und Kassel in Frage. Die Berliner Standortwahl fiel auf ein der Bundesrepublik gehörendes ca. 5.600 m² große Grundstück Lützowufer 1A–5A im Südlichen Tiergartenviertel. Die Vorplanung beinhaltete den Bau von 5 einzelstehenden Mehrfamilienhäusern, die einerseits möglichst entsprechend der historischen Situation geschlossen städtisch, anderseits optisch durchlässig zwischen Landwehrkanal und Blockinneren wirken sollten.[11]

Einfriedung Lützowufer 1A–5A, Hannelore Kossel, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Einfriedung Lützowufer 1A–5A, Hannelore Kossel, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Der Wettbewerb fand 1981 in zwei Stufen statt. Auslober war das Bundesbauministerium. In Kassel sollten drei Einfamilienhäuser (Bauträger: NEUE HEIMAT NORDHESSEN, Kassel) in Verbindung mit der „documenta urbana“ Kassel 1982 entstehen. In West-Berlin war der Bau von fünf 6-geschossigen Mehrfamilienhäusern (Bauträger: NEUE HEIMAT BERLIN, Berlin) im Rahmen der Internationalen Bauausstellung vorgesehen.[12] Von den teilnehmenden Teams, bestehend aus Architekten, Energieexperten und Baufirmen, wurden Angebote für schlüsselfertige Bauten gefordert und diese von der Jury bewertet. In der ersten Stufe nahmen 15 Teams in Berlin und 9 Teams in Kassel teil. Die Teams sollten energetisch richtungsweisende Lösungen für den Wohnungsbau finden. Erwartet wurden eine Optimierung der energierelevanten baulichen und haustechnischen Maßnahmen. Als passive Maßnahmen kamen dafür Grundrisse, Fenster, Wintergärten und Baustoffe für Außenhaut in Frage. Aktive Maßnahmen konnten technische Geräte wie Wärmepumpen, Wärmetauscher, Sonnenkollektoren und Steuerquellen sowie die Erzeugung der Wärmeenergie aus vorhanden Energiequellen wie Außenluft, Erdwärme und Windenergie, die Wärmerückgewinnung aus Abwasser und Abluft, die Regelungstechnik, ein temporärer Wärmeschutz und Wohnungslüftung sein.[13]

Gartenanlagen Lützowufer 1A–5A, Hannelore Kossel, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Gartenanlagen Lützowufer 1A–5A, Hannelore Kossel, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Die Wettbewerbsaufgabe in Berlin umfasste den Erhalt je eines schlüsselfertigen Angebots für ein 6-geschossiges Haus mit zwölf 3-Zimmer-Wohnungen in Einhaltung des Kostenlimit von 3,5 Mio. DM.[14] Die IBA hat den Standort und städtebauliche Konzeption vorgegeben. Die freistehenden Mietshäuser sollten eine Frontlänge von 15 m besitzen und einen umbauten Raum je Haus von 5.500 m³ ausweisen. Im Oktober 1981 wählte die Jury fünf Teams um die Architekten Bernd Faskel und Vladimir Nicolic, von Gerkan, Marg und Partner, PJS Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner, Kilpper und Partner und Manfred Schiedhelm mit Karen Axelrad für die Realisierung der Energiesparhäuser aus.[15]

Energiesparhäuser Lützowufer 1A–5A, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Energiesparhäuser Lützowufer 1A–5A, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Im Juli 1982 war die Entwurfsplanung für die Häuser fertig. Drei Monate später wurde die Baugenehmigung erteilt. Ab Oktober nahm die TRIA GeWiBau Generalübernehmer die Bauherrenfunktion der NEUEN HEIMAT über. Im November war Baubeginn für die Häuser 1 bis 4. Aus Gründen der wirtschaftlichen Ausnutzung wurden 2-geschossige Zwischenhäuser der Reihe von Einzelbaukörpern eingefügt und Ende des Jahres 1982 die Ausführungsplanung fertiggestellt. Im August 1983 konnte Richtfest und im Dezember 1984 die Festigstellung der Häuser 1 bis 4 gefeiert werden. Für Haus 5 war Baubeginn im März 1984 und Fertigstellung im März 1985.

Bauschicksal
Der Bau der Häuser war ein Forschungsvorhaben des Bundesbauministerium. 1984–89 Jahre fand eine auf 5 Jahre begrenztes Begleitforschungsprogramm für die Realisierung und Evaluierung statt. Als ein Ergebnis gilt, dass die Heizkosten der Energiesparhäuser im Schnitt weniger als 1 DM/m² betrugen, was die Hälfte des sonst üblichen war.[16]

Zu den beteiligten Architekten
• Das Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) der Architekten Meinhard von Gerkan (geboren am 3. Januar 1935) und Volkwin Marg (geboren am 15. Oktober 1936) wurde 1965 gegründet und expandierte seither stetig. Das Büro gmp mit Hauptsitz in Hamburg ist heute weltweit tätig. Im Rahmen der IBA 87 waren von Gerkan, Marg und Partner neben der Errichtung eines Energiesparhauses auch für den Bau von Stadthäusern an der Lützowstraße verantwortlich. Zu den wichtigsten Werken, die gmp in Berlin baute, zählen der Flughafen Tegel (1970–74), der Umbau des Olympiastadions (2000-04) und der Neubau des Hauptbahnhofs (1995–2005).

• 1971 gründeten Hans Joachim Pysall (geboren 1929) und Peter Stahrenberg (geboren 1939) eine Bürogemeinschaft, aus der wenige Jahre später das Büro PJS Pysall, Jensen, Stahrenberg & Partner hervorging. In West-Berlin der 1970er Jahre zeichnete das Büro PJS für zahlreiche Großschulbauten (Bildungszentren) wie dem Französischen Gymnasium in der Derfflingerstraße verantwortlich. Ende der 1980er Jahre firmierte das Büro als Architekten Pysall-Stahrenberg & Partner (PSP). In den 1990er Jahren war PSP mit der denkmalgerechte Sanierung des Alexanderhauses auf dem Alexanderplatz in Berlin beauftragt. In Nachfolge von Pysall und Stahrenberg wird das Büro Architekten Ingenieure PSP heute von Michael Krämer in Hamburg und Martin Weltner in Berlin weitergeführt.

• Der Architekt Bernd Faskel arbeitete beim Entwurf des Energiesparhauses mit Vladimir Nikolic zusammen. Faskel wurde 1943 geboren und arbeitete seit 1970 als Architekt. Seit Ende der 1970er Jahre widmet er sich insbesondere dem energiesparenden Bauen und der Solararchitektur. 1993 gründete Bernd Faskel mit Uwe Becker ein gemeinsames Architekturbüro in Berlin und zeichnete folgend für den Bau von Stadthäusern auf der Halbinsel Stralau und auf dem ehemaligen Schlachthofgelände Eldenaer Straße in Berlin verantwortlich.

• Der Architekt Martin Kilpper wurde 1954 in Stuttgart geboren. 1979 gründete er das Architekturbüro Kilpper und Partner. In den darauffolgenden Jahren arbeitete er unter anderem als freier Architekt für das Büro ARP in Stuttgart. 2001 eröffnete Kilpper ein eigenes Architekturbüro in Leipzig.

• Manfried Schiedhelm und Karen Axelrad gründeten 1982 eine Bürogemeinschaft. Schiedhelm wurde 1934 in Worms geboren und arbeitete seit 1958 als Architekt. Die US-Amerikanerin Karen Axelrad, geboren 1947 in Washington D.C., studierte Geschichte und Architektur.

• Hannelore Kossel ist eine Garten- und Landschaftsarchitekten mit eigenem Büro in Berlin. Sie war und ist seit den 1980er Jahren an zahlreichen Projekten als Gartenarchitektin tätig.

Erhaltungszustand und Bedeutung
Die Wohnanlage der Energiesparhäuser am Landwehrkanal ist vollständig erhalten. Mit dem Bau der Wohnanlage ist der Stadtraum am Lützowufer wiederhergestellt worden. Die Errichtung der Wohnanlage ging auf eine Initiative der Bundesrepublik Deutschland der späten 1970er Jahre zurück, mit dem testweißen Bau von Energiesparhäusern die Effizienz dieser Gebäude zu untersuchen. Die Wohnhäuser stellen ein bedeutsames Projekt der Internationale Bauausstellung Berlin 1987 dar. Maßnahmen der Ökologie und Energieeinsparung waren ein wesentliches Demonstrationsziel der IBA 87, das mit der Errichtung der Wohnanlage beispielhaft umgesetzt wurde. Die Wohnhäuser dienten als Langzeitversuch der Untersuchung von Energieeinsparmöglichkeiten. Der Nachweis der Einsparung von Energie wurde passiv mit der Organisation des Grundrisses und der Bauweise sowie aktiv durch den Einsatz und Einbau von Technik erbracht. Die Energiesparhäuser können als Vorreiterprojekte im ökologischen Bauen verstanden werden und stellen somit ein kulturelles Erbe unserer Gesellschaft dar. Der damalige Stand der Technik und der Erkenntnisstand im ökologischen Bauen lassen sich deutlich anhand der Energiesparhäuser ablesen.

Endnoten

[1] ↑ Internationale Bauausstellung Berlin 1987, Projektübersicht, S. 68 f.
[2] ↑ LAB B Rep. 168, Nr. 1314
[3] ↑ Internationale Bauausstellung Berlin 1987, Projektübersicht, S. 68.
[4] ↑ ebd.
[5] ↑ [5] LAB B Rep. 168, Nr. 1314.
[6] ↑ ebd.
[7] ↑ ebd.
[8] ↑ ebd.
[9] ↑ ebd.
[10] ↑ ebd.
[11] ↑ ebd.
[12] ↑ ebd.
[13] ↑ ebd.
[14] ↑ ebd.
[15] ↑ ebd.
[16] ↑ ebd.

Quellen

• Autzen, Rainer: Veröffentlichungen der Internationalen Bauausstellung Berlin 1987. Dokumentationen von Forschungsberichten, Gutachten, Wettbewerbs- und Planungsunterlagen, Berlin 1987.

• Bauakten im Bauaktenarchiv des Bezirks Mitte von Berlin.

• Burg, Annegret; Crippa, Maria Antonietta: Stadtbild Berlin. Identität und Wandel, Milano Tübingen 1991.

• Hahn, Eckhart: Zusammenfassung und Ausblick des zweiten Ökologie-Workshops der IBA im August 1983, in: Institut für Stadtforschung Berlin (Hrsg.): Dokumentation zum Ökologie-Workshop der IBA am 15./16. August 1983, Berlin 1983.

• Internationale Bauausstellung Berlin 1987, Projektübersicht, aktualisierte und erweitere Ausgabe, Berlin 1991.

• Kleihues, Josef Paul. (Hrsg.): Die Projekte (Internationale Bauausstellung Berlin 1984, Die Neubaugebiete, Heft 7), Berlin, 1993.

• Kleihues, Josef; Klotz, Heinrich (Hrsg.). Internationale Bauausstellung Berlin 1987. Beispiele einer neuen Architektur, Ausstellungskatalog DAM Frankfurt a.M., Stuttgart 1986.

• LAB B Rep. 168 Internationale Bauausstellung Berlin – Neubaugebiete, Nr. 754, 932, 933, 1314.

• Lampugnani, Vittorio Magnago (Hrsg.): Modell für eine Stadt (Internationale Bauausstellung Berlin 1984, Die Neubaugebiete, Heft 1), Berlin 1984.

• Nitsche, Rainer: Ein Rundgang, Bauten, Schauplätze, Veranstaltungen (Internationale Bauausstellung Berlin 1987), Berlin 1987.

• Oechslin, Werner: Phönixgeburt – die Internationale Bauausstellung Berlin – Idee, Prozess, Ergebnis. in: Kahlfeldt, Paul (Hrsg.): Josef Paul Kleihues. Stadt Bau Kunst. Ausstellungskatalog. Berlin 2003.

• Schlusche, Günter: Die Internationale Bauausstellung Berlin. Eine Bilanz, Arbeitshefte des ISR, Berlin 1997.

• Senator für Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.); Zwoch, Felix: Idee, Prozeß, Ergebnis: Die Reparatur und Rekonstruktion der Stadt. Berlin 1984.

• Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen Berlin (Hrsg.): Internationale Bauausstellung Berlin 1987. Anlaß, Ziele, Verfahren und Ergebnisse, Berlin 1989.

• Stimmann, Hans: Städtebau vom „Europäischen Jahr des Denkmalschutzes“ bis heute. .n: AIV zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten Teil I: Städtebau. Berlin 2009, S. 349–455.

• 750 Jahre Architektur und Städtebau. Die Internationale Bauausstellung im Kontext der Berliner Baugeschichte, Ausstellungskatalog, Berlin 1987.