Beitrag von Estefania Briglia, Katja Schober und Nina Stache

Der „Städtebauliche Ideenwettbewerb Landwehrkanal Tiergarten“ (SILT) stellt den seiner Zeit ersten vergleichbaren Ideenwettbewerb dar, der sich mit der Berliner Innenstadt befasste, und gilt als Initialzünder für die Internationale Bauausstellung in Berlin.

Der SILT wurde 1973 als bundesweiter Wettbewerb vom Bausenator Klaus Riebschläger initiiert und sollte eine „Gesamtkonzeption von Stadtraum- und Nutzungsstruktur“ (Schlusche, Günter (1997): Die Internationale Bauausstellung Berlin- eine Bilanz. Berlin, S.11) hervorbringen. Das Gebiet Landwehrkanal/Tiergartenviertel war seit dem Ende des Krieges noch nicht komplett wieder aufgebaut worden, so waren noch zahlreiche Baulücken vorhanden, die es zu schließen galt.

Besondere Gewichtung kam auch der Überarbeitung des Verkehrssystems zu. Weiterhin sollten insgesamt Wohnungen für 1.400 Einwohner entstehen, sowie Strukturen für Einzelhandel und Gewerbe.
Zuletzt war die Freihaltung des Diplomatenviertels für eine mögliche Hauptstadtfunktion Thema des Wettbewerbs.

Aufgrund der sehr komplexen Aufgabe und der schier unbewältigbaren Verkehrsplanung kam die Jury, die die Wettbewerbsergebnisse bewertete, zu dem Schluss, keinen Gewinner zu küren.

Die bestbewerteten Wettbewerbsteilnehmer bekamen jedoch die Chance, weiterhin drei Jahre als „Planungsgruppe Landwehrkanal“ an dem Wettbewerbsgebiet zu arbeiten.
In dieser Zeit wuchs auch der Vorschlag die Ergebnisse dieser Planungsgruppe in die Internationale Bauausstellung einzubinden.

Als die Arbeit der Planungsgruppe nach einiger Zeit immer noch nicht die erwünschten Konzepte vorweisen konnte, wurde die „Freie Planungsgruppe Berlin“ vom Bausenator Harry Ristock für die „Erarbeitung einer Rahmenplanung für die Gebiete des Südlichen Tiergartenviertels und der Südlichen Friedrichstadt(…)“ engagiert.

1974 wurde die Arbeit der beiden Planungsgruppen auch vom Planungsbeirat für die Internationale Bauausstellung aufgenommen.

Die Senatsvorlage

Der Bausenator Harry Ristock hielt in den Jahren 1976 bis 1977 an der Idee des Neubaus fest und stellte die notwendigen Planungen in den Vordergrund. Besonders thematisiert wurde die südliche Friedrichstadt. Der Abgeordnete Gert Wartenberg bemühte sich Altbaugebiete wie SO36 Kreuzberg in das neue IBA Konzept zu integrieren. Der Beschluss über das IBA Konzept wurde im Juni 1978 fertiggestellt. Der Beschluss beinhaltete außerdem eine Bestandsaufnahme der Westberliner Bezirke in Bezug auf Industrie und Gesellschaft. Der Abwanderung der Bevölkerung sollte entgegengewirkt werden und eine Funktionstrennung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit war geplant. Das Konzept stellt im groben eine Entwicklungsplanung dar, in der die Probleme der einzelnen Teilgebiete gelöst oder gemindert werden sollten. Die Verkehrsplanung wurde der Bauausstellungsgesellschaft überlassen. Die Anzahl der geplanten Neubauten wurde reduziert um das Freiraumangebot in der Stadt zu gewährleisten. Zuerst wurden drei übergeordnete Ziele festgelegt, welche es zu verwirklichen galt. Das erste Ziel war es, die Innenstadt als Wohnort wieder attraktiver zu gestalten. Das zweite Ziel lautete „die kaputte Stadt retten“ ( Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen, 1989). Gewerbe und Einzelhandel sollten angesiedelt werden. Das dritte Ziel beschäftigt sich mit der Erhaltung der architektonischen Epochen. Um die hoch gesteckten Ziele zu verwirklichen wurden Thesen aufgestellt, die sich besonders mit den sozialen Belangen und Bedürfnissen beschäftigten. Dazu gehört die Aufwertung der Stadtteile ohne Energie und Wasserversorgung, die Schaffung eines zentralen Identifikations- und Anziehungspunktes und die Schaffung von Grün- und Freiflächen. Der Senat legte zusätzlich die Gründung der privatrechtlichen GmbH fest und genehmigte 85 Millionen DM an Geldern, um all die Vorstellungen zu verwirklichen. Durch die Sympathie des Bürgermeisters Dietrich Stobbe zu dem neuen IBA Konzept, wurde jenes am 20. Juni 1978 endgültig von Senat beschlossen.

Kreuzberg SO 36

Durch den geplanten Bau einer Autobahn, wurde viele Gebiete entkernt und Wohnhäuser abgerissen. Andere Wohnhäuser zerfielen Zusehens und wurden den Witterungen überlassen. Junge Familien zogen aus dem Stadtgebiet weg, worunter die Bevölkerungsvielfalt litt. Es folgte der Wegfall von Kultur- und Bildungseinrichtungen und das Zurückbleiben der schwachen Bevölkerungsgruppen, wie Gastarbeiter und Alte. Doch dann kam die erlösende Einsicht.

Es wurde bemerkt, dass die Planvorstellungen sich nicht mehr mit den Bedürfnissen der Menschen und der Stadt vereinbaren ließen. Es standen nicht genügend Gelder zur Verfügung, denn es reichte nicht für die geplante Flächensanierung. Die Hausbesetzerbewegung unterstrichen jene Erkenntnis enorm. Am 3. Februar 1979 besetzten erstmals zwei Mitglieder der Bürgerinitiative SO36 zwei Wohnungen der Wohnungsbaugesellschaft BeWoGe. Sie forderten die Wiedervermietung von 300 leerstehenden Wohnungen und verliehen somit ihren Forderungen Nachdruck. Hier wurde auch der Begriff „Instandbesetzung“ geprägt. Die Besetzer renovierten eigenständig und oft illegal die besetzten Wohnungen. Das Bezirksamt von Kreuzberg war gezwungen, einige Instandbesetzungen mit Mietverträgen zu legalisieren. Im Frühjahr 1981 war der Höhepunkt der Hausbesetzer gekommen. Es bildete sich eine eigene Infrastruktur heraus, wozu ein Frauenstadtteilzentrum, ein Bauhof für Besetzer, das Kunst- und Kulturzentrum „KuKuCK“, ein Kinderbauernhof und ein Gesundheitszentrum gehörten. Erst im September 1983 unterzeichnet der Senat einen Vertrag mit Stadtbau, wodurch viele besetzte Häuser legalisiert und selbstverwaltet saniert werden durften.

Die Entstehung der Bauausstellung Berlin GmbH

Die Notwendigkeit einer Art Leitinstrument, welches die ganzen Projekte organisiert und koordiniert wurde nach vielen Anfänglichen Problemen erkannt. Daher beschloss das Abgeordnetenhaus 1979 die Gründung der Bauausstellung Berlin GmbH (IBA). Sie sollte die Aufgaben übernehmen, die für die Vorbereitung der Ausstellung und deren Umsetzung notwendig waren. Keimzelle der Gemeinschaft sollte die ein Jahr vorher gegründete Arbeitsgruppe sein.

Die Struktur der GmbH war relativ vernetzt. Vier große Hauptorgane bildeten den Grundstein der GmbH:

· Der Aufsichtsrat

· Die Geschäftsführung

· Die Bauverwaltung

· Die Gesellschaftsversammlung

Die Geschäftsführung war eine schwierige Angelegenheit. Sie wechselte ständig, da sich die IBA jedes mal neu zusammenstellte. Im Gründungsjahr der Bauausstellung Berlin GmbH wurden Jörg Jordan und Ullrich Maria Pfeiffer als Geschäftsführer berufen.

1980 fand der erste Wechsel der Geschäftsführung statt. Jordan und Pfeiffer traten von dem Amt der Führung zurück und hinterließen zunächst eine große Lücke. Neuer Geschäftsführer wurde daraufhin Joachim Knipp. Die bisherigen Planungsdirektoren Oswald Maria Ungers und Thomas Sievert traten ebenfalls ab. Dies hatte zur Folge, dass Josef Paul Kleihues und Hardt–Waltherr Hämer neue Planungsdirektoren wurden. Kleihues übernahm den Schwerpunkt der kritischen Rekonstruktion (IBA-Neu) und Hämer den der behutsamen Stadterneuerung (IBA-Alt).

Durch den politischen Wechsel 1981 und die harten Ansprüche an die Bauausstellung verließ nun auch Knipp die GmbH, womit die Stelle in der Geschäftsführung wieder frei war. Nottmeyer trat an diese Stelle und leitete die Gesellschaft von da an. 1983 kam schließlich der rechtliche Beschluss dazu, dass die IBA von 1984 auf 1987 verschoben wurde.

Am 31. Juli 1984 wurde die GmbH aufgrund zu vieler Planungsprobleme aufgelöst. Alle Aufgaben der GmbH und deren Verantwortung gingen an die Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen. Hämer und Kleihues mussten durch die Übernahme der IBA durch die Verwaltung ihre Stellen als Planungsdirektoren aufgeben. Sie blieben aber trotzdem wichtige Organe für die Gruppe der Ausstellung. Beide wurden zu Beratern des Bausenators und Hämer blieb sogar Leiter der behutsamen Stadterneuerung.

Fazit

Die Entstehung der IBA war ein sehr komplexer Vorgang mit vielen Änderungen, Neuerungen und wechselnden Verantwortungen. Trotzdem machen genau diese ganzen Entwicklungsschritte deutlich, dass sie stets versucht hat sich anzupassen und auf die Interessen der Bevölkerung einzugehen.

Die Hausbesetzerbewegung war notwendig um den Senat und die Bevölkerung auf die Probleme aufmerksam zu machen. Dadurch wurden auch die Bedürfnisse der Bewohner verdeutlicht und eine Mitbestimmung ermöglicht. Das Frauenstadtteilzentrum , das Kunst- und Kulturzentrum „KuKuCK“ und der Kinderbauernhof sind noch heute attraktive Plätze für eine Vielzahl der Kreuzberger.