Beitrag von Claudia Hehn und Oxana Junkereit

Nicht nur in architektonischer oder städtebaulicher Hinsicht hat die IBA 84/87 Maßstäbe gesetzt. Vor allem auch in Bezug auf die Realisierung von Planung und dem Versuch zwischen Entwurf und Planungspraxis zu vermitteln, hat sie einen wichtigen Beitrag geleistet.
Vor dem Hintergrund eines veränderten Planungsverständnisses – weg von Planung als „administrativer Vollzug“ hin zum differenzierteren Verständnis von Planung als „integriertes Projektmanagement“- sollte die IBA als Medium für eine praktische Umsetzung der neuen Planungsziele dienen. Somit ist es für das Begreifen dieser Bauausstellung nicht unerheblich sich ihre Organisations- und Durchführungsstruktur zu vergegenwärtigen.

Im Folgenden soll auf die Entwicklung der IBA GmbH eingegangen werden, die sich in mehreren Etappen vollzog. Die Darstellung die hierbei gewählt wurde, stützt sich größtenteils auf die Forschungsergebnisse der Dissertationsschrift Günter Schlusches (Schlusche, Günter: Die Internationale Bauausstellung Berlin- eine Bilanz. Berlin, Arbeitshefte des ISR, 1997), in der er die Evolution der GmbH anhand von drei Modellen, dem „politischen“, dem „vertraglichen“ und dem „Konsensmodell“, beschreibt. Durch diese Betrachtungsweise der Organisations- und Durchführungsstruktur der IBA, soll versucht werden die Frage zu klären, ob sie ihrer Funktion als Intermedium zwischen Planung und Entwurf im Hinblick auf die reale Planungspraxis gerecht werden konnte.

Das politische Modell

1978 wählte eine Vorbereitungsgruppe für die IBA GmbH im Senat für Bau- und Wohnungswesen die beiden Geschäftsführer Jörg Jordan und Ulrich Pfeiffer, sowie fünf Planungsdirektoren. Die Grundidee war ein politischer Konsens zwischen dem Senat und der GmbH. Die Kommunalpolitik und die Stadtplanung sollten an politische Werte und Ziele geknüpft sein. Es wurden zwei Lenkungsgruppen geschaffen: „IBA Alt“ für Stadterneuerungsgebiete und „IBA Neu“ für Neubaugebiete. Nach einer Reihe von Rücktritten kam es zu einer Umstrukturierung. Hardt-Waltherr Hämer, der bekannt wurde als „Vater der behutsamen Stadterneuerung“, wurde Geschäftsführer der „IBA Alt“. Als Geschäftsführer der „IBA Neu“ wurde Josef Paul Kleihues gewählt, der den Begriff der „kritischen Rekonstruktion“ prägte.

Das vertragliche Modell

Nach dem Rücktritt Jordans wurde der Verwaltungsjurist Hans Joachim Knipp in die Geschäftsführung der GmbH berufen. Er versuchte die Kompetenzen der IBA GmbH zu erweitern durch die Ausweisung der Demonstrationsgebiete der „IBA Alt“ als Sanierungsgebiete. Die „IBA Neu“ Gebiete sollten als Ergänzungsbereiche festgesetzt werden. Diese Strategie hätte die fehlenden planungsrechtlichen Grundlagen zur Durchführung von Bauvorhaben und ein Finanzierungssystem aus Mitteln der Städtebauförderung geschaffen. Es traten jedoch schon bald sowohl IBA interne als auch externe Widerstände gegen Knipps Strategie auf. Nach dem Regierungswechsel 1981 fand eine Neuorientierung in der Stadtentwicklungspolitik statt, der neugewählte CDU Senat beschloss eine Umstrukturierung der IBA GmbH.

Das Konsensmodell

1981 übernahm Jürgen Nottmeyer, ein Architekt aus der Senatsbauverwaltung, die gemeinsame Geschäftsführung mit Hämer und Kleihues. Ab 1983 war Nottmeyer alleiniger Geschäftsführer der GmbH. Er war engagiert als „IBA-Beauftragter des Bausenators“ und blieb somit an die Bauverwaltung gebunden. Hiermit hatte der Senat eine starke Kontrolle über die IBA und konnte sie an seine baupolitischen Zielsetzungen anpassen. Mit dem Konsensmodell wurde die IBA GmbH quasi als verwaltungsinternes Ressort eingegliedert. Zu dieser Zeit fanden Expertenverfahren statt um die Entwicklung der IBA zu bewerten, in deren Rahmen die Projekte mit qualifizierter fachöffentlicher Begleitung neu betrachtet wurden.

Fazit
Das Konzept für die Durchführung einer Internationalen Bauausstellung in Form einer GmbH stellte eine planerische Neuerung, sowie einen klaren Einschnitt in die bestehende Planungspraxis dar. Die GmbH sollte sich zu einem unvoreingenommenen Expertengremium entwickeln und im Gegensatz zu der Verwaltung frei von starr vorgegebenen und ressortuntergliederten Strukturen sein. Allerdings wurden ihr dabei keinerlei rechtlichen oder finanziellen Vollmachten eingeräumt, sie war stets auf den Senat angewiesen, der den finanziellen Etat und den Ausschuss zur Realisierung für die Bauprojekte stellte. So traten fortwährend Schwierigkeiten auf, die die Handlungsfähigkeit der GmbH beschnitten. Das Planungsexperiment IBA konnte daher aufgrund von Kompetenzstreitigkeiten und finanziellen Fehlentscheidungen nicht im angedachten Maße verwirklicht werden.

Weiterführende Literatur

ARCH+ (2010):Archiv: ARCH+ 66: IBA, Einblicke von außen, Ausgabe: 12/, 66. Erschienen am 01.12.1982. URL://www.archplus.net/home/archiv/ausgabe/46,66,1,0.html (Zugriff: 15.12.10) .

Augstein, Rudolf (1981): STÄDTE – Virtuos gehandhabt. In: Der Spiegel, 27/1981, S. 46f .

Bott, Jessen, Persch, Hrsg. (2010) Lehrbausteine Städtebau, Basiswissen für Entwurf und Planung. Stuttgart: Städtebau Institut, Universität Stuttgart.

Bundeszentrale für politische Bildung/bpb (2008). Von 80 Prozent verfaulter Holzbalken stimmte gar nichts. Interview mit dem Architekten Hardt-Waltherr Hämer. URL: http://www.bpb.de/themen/LQQXPZ,0,0,Von_80_Prozent_verfaulter_Holzbalken_stimmte_ gar_nichts.html (Zugriff: 13.12.2010).

Fürst, Scholles, Hrsg. (2008, 3. Aufl.) Handbuch Theorien und Methoden der Raum- und Umweltplanung. Dortmund: Verlag Dorothea Rohn.

Kleihues, Joseph Paul, Hrsg. (1993) Internationale Bauausstellung Berlin 1984/87, Die Neubaugebiete. Stuttgart: Verlag Gerd Hatje.

Schlusche, Günter (1997): Die Internationale Bauausstellung Berlin- eine Bilanz. Berlin: Arbeitshefte des ISR.

S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung (2010). Wir über uns. URL: http://www.stern-berlin.com/members/stern/ueberuns.html (Zugriff: 13.12.2010).

Bundeszentrale für politische Bildung/bpb (2010). Entspannung und Neue Ostpolitik 1969-1975 URL: http://www.bpb.de/publikationen/FVE7OE,4,0,Entspannung_und_Neue_Ostpolitik_19691975.html#art4 (Zugriff: 13.12.2010).

Stuttgarter-Zeitung (2010) Hintergrund: Der Berliner Filz URL: http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/67248/artikel_rueckblick_druck (Zugriff: 13.12.2010).