Block 70: Eckhaus, Torhäuser, BrandwandbebauungBeitrag von Simone Bogner

• Lage: Fraenkelufer 28, 38, 38 A/B/C, 44, 10999 Berlin-Kreuzberg
• Bauzeit: 1982–85
• Architekten: Hinrich und Inken Baller
• Gartengestaltung: Hinrich und Inken Baller,
Gischow
• Bauherr: GSW

Block 70, Eckhaus (Nr. 28), Torhäuser (Nr. 38, 44), Brandwandbebauung (Nr. 38A/B/C)

Die Wohnbebauung am Fraenkelufer von Hinrich und Inken Baller befindet sich im „Block 70“. Dieser Block wird eingegrenzt von der Kohlfurter Straße, der Admiralstraße, dem Fraenkelufer und dem Erkelenzdamm. Die Maßnahme der Ballers im Rahmen der IBA besteht aus drei Baulückenschließungen und einer Brandwandbebauung; zwei Baulücken wurden durch die sogenannten „Torhäuser“ (Nr. 38 und Nr. 44, je 10 Wohneinheiten) geschlossen und eine durch das Eckhaus (Nr. 28, 19 Wohneinheiten). Die Brandwandbebauung (Nr. 38 A/B/C, 48 Wohneinheiten) entstand auf der Rückseite des denkmalgeschützten Elisabethhofs. Außerdem wurden ca. 200 Wohnungen am Erkelenzdamm und am Fraenkelufer modernisiert. Äußerlich sichtbar wird dies durch die neuen Balkone. Zur Gesamtanlage gehört auch der gartenarchitektonisch gestaltete, zwischen den Torhäusern und der Brandwandbebauung liegende Innenhof. Finanziert wurden die Neubauten als Sozialer Wohnungsbau im 1. Förderungsweg. Die Gesamtkosten lagen bei 30,1 Mio DM. Bauherr war die GSW (Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft).

Brandwandbebauung, Zustand Juli 2012; Foto: Gunnar Klack

Brandwandbebauung, Zustand Juli 2012; Foto: Gunnar Klack

Die Städtebauliche Ausgangssituation vor den IBA-Planungen:

Der Block 70 gehört zur südöstlichen Erweiterung der Luisenstadt. Ein Bebauungsplan existierte bereits ab 1826, ab 1840 wurde dann vom Königlichen Gartenbaudirektor Peter Joseph Lenné im Auftrag König Friedrich Wilhelm des IV. das Erweiterungsgebiet unter dem Titel „Schmuck- und Grenzzüge von Berlin mit nächster Umgebung“ entworfen. 1841 entstand nach den Maßgaben dieses Bebauungsplans in den folgenden Jahrzehnten ein abwechslungsreich gestaltetes Wohn- und Arbeitsquartier. Es existieren zahlreiche Schmuckplätze: Wassertorplatz, Oranienplatz, Mariannenplatz, Moritzplatz, Heinrichplatz und Lausitzer Platz.

Der Bebauungsplan sah zunächst eine niedrige Blockrandbebauung vor, im Blockinnern gab es nur Schuppen und Werkstätten. Im Laufe des Jahrhunderts wurden die Grundstücke jedoch dichter bebaut, bestehende Bauten aufgestockt; es entstanden die typischen „Mietskasernen“, vor allem zwischen 1880 und 1900. In dieser Zeit wächst die Bevölkerung Berlins enorm: ihre höchste Einwohnerzahl erreichte die Luisenstadt im Jahr 1900 mit 306.512 EinwohnerInnen. Im Zuge der industriellen Revolution etabliert sich die „Kreuzberger Mischung“ aus Wohnen und Gewerbe. 1852 wurde der Luisenstädtische Kanal eröffnet. Er war 2,3 Kilometer lang, 22,5 Meter breit und 1,5 Meter tief (bei mittlerem Wasser). Er verband die Spree mit dem Landwehrkanal. Nach einem nicht verwirklichten Bebauungsplan von Johann Carl Ludwig Schmid sollte ein Nord-Süd-Kanal zur Entwässerung und als Wasserweg dienen. Peter Josef Lenné griff diesen Plan auf. In Teilen imitiert der Kanal einen natürlichen Flusslauf. 1926 wurde der Kanal wieder zugeschüttet, dort wurde der Ausbau der U-Bahnstrecke Gesundbrunnen-Neukölln vorangetrieben. Das ehemalige Kanalbett wurde als Grünzug umgestaltet.

Der Zweite Weltkrieg hatte relativ wenig Substanz beschädigt, einzig die Bauten Fraenkelufer Nr. 38 und 44 und das Eckhaus Nr. 28 waren im Block 70 verloren gegangen. Durch die lange und intensive Überbelegung im Quartier und dessen gleichzeitiger Vernachlässigung befand sich die Baustruktur jedoch trotz der geringen Kriegsschäden in einem schlechten Zustand. 1963 war das Gebiet zum Sanierungsgebiet erklärt worden. Das Sanierungsprogramm SKS (Sanierungsgebiet Kreuzberg Süd) sah einen kompletten Abriss der historischen Bausubstanz – bis auf die Synagoge und einen kleinen Teil des gewerblichen Elisabeth-Hofs – und die Errichtung von Wohnparks vor, zudem die Erbauung der Osttangente, die quer durch den Block 70 über den aufgeschütteten Wassertorplatz und den trockengelegten Luisenstädtischen Kanal führen sollte.

Die Substanz im Block 70 hat sich vor allem ab den 1970ern stark verändert hat. Die einschneidendsten Veränderungen erfuhr der Block durch die Entkernung der Höfe ab 1975. Die städtischen Sanierungsgesellschaften und Investoren kauften die Altbauten auf und verdrängten die Bewohner durch Entmietung; diejenigen, die es sich leisten konnten, zogen weg, ältere Anwohner, von Armut Betroffene und auch Gastarbeiter blieben als geduldete Zwischennutzer in den Wohnungen. Die übriggebliebenen Häuser standen durchschnittlich seit ca. 1974 leer. 1973 war der Wohnpark „Böcklerpark“ am Landwehrkanal bereits errichtet und die Blöcke 70 und 89 sollten dem Neubau eines Schulzentrums sowie der Osttangente und einer Erschließungsstraße durch Block 89 weichen.

Bis 1979 wurde die beschlossene Flächensanierung vorangetrieben. Seit Ende der 1970er Jahre siedelten sich jedoch auch immer mehr junge Leute in Kreuzberg an, die wiederum als sogenannte „Instandbesetzer“ neue kulturelle Netzwerke entstehen ließen, aber auch durch Widerstand neue Aufmerksamkeit nach Kreuzberg brachten. Im September 1979 wurde dann mit der Drucksache Nr. 81 in der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, die noch stehenden Häuser am Erkelenzdamm und Fraenkelufer zu erhalten, einen Kanaluferweg anzulegen und für das Blockinnere Nutzungskonzepte erarbeiten zu lassen – quasi während „rollender Flächensanierung“.[1] „Am Fraenkelufer stand die Bauausstellung im September 1979 vor derart utopisch anmutenden Fragestellungen, dass bei dem von außen hinzugezogenen Gutachter Zweifel an der Seriosität der Aufgabe überhaupt aufkamen.“[2]

Eckhaus, Zustand Juli 2012; Foto: Gunnar Klack

Eckhaus, Zustand Juli 2012; Foto: Gunnar Klack

Die städtebauliche Aufgabe / Demonstrationsziele der Bauausstellung

Die städtebauliche Aufgabe:

Im Rahmen der IBA sollte ein Neuordnungskonzept zur parallel laufenden Flächensanierung erarbeitet werden, das Rücksicht auf die vorhandenen Strukturen und die Bedürfnisse der Bewohner nimmt.

Die überkommenen Stadtstruktur- und Architekturelemente sollten in einem neuen Zusammenhang eingebunden, die Lücken des Blocks behutsam geschlossen werden. Dazu gehörte auch, die traditionelle „Kreuzberger Mischung“ aus Wohnhof, Gewerbehof, Schulhof und öffentlichen Straßen- und Erholungsräumen in einer zeitgemäßen Form wiederzubeleben. Neben der Aufhebung der Funktionstrennung der Bereiche Wohnen, Arbeiten und Fortbewegung, wie sie in den Planungen aus den 1960ern vorangetrieben und größtenteils bereits durchgeführt worden war, gehörte auch, vorhandene gewachsene Strukturen zu integrieren und fortzuschreiben. Der noch vorhandene Baubestand sollte einschließlich seines Maßstabs und seiner Nutzung erhalten werden. Im Neubau sollten zudem Elemente wie Tordurchfahrt, Hinterhof, Berliner Zimmer, Straßen- und Hofbezug sowie eine Erschließungsmischung im Sinne einer modernen architektonischen Sprache weiterentwickelt werden.[3]

Neben der sogenannten „behutsamen Stadterneuerung“ war eines der wichtigsten Ziele die Abkehr von autokratischen Planungsmethoden und Flächensanierung, wie sie bis in die späten 1970er in Kreuzberg vollzogen wurden. Dies sollte durch die aktive Einbeziehung der Bewohner in die Gestaltung ihrer Lebensräume erreicht werden. Dazu gehörten zahlreiche Bürgerversammlungen, in denen die Ideen der Anwohner aufgenommen und kontrovers diskutiert wurden. Es sollte auf unterschiedliche Weise die Verwahrlosung des Bezirks aufgehalten werden, eine soziale Durchmischung erreicht und die Milieustruktur erhalten bleiben. Es musste zudem zwischen den Interessen der Bewohner und denen des Senats vermittelt werden: die Einwohnerzahl des Bezirks war zwischen 1975 und 1980 auf 18% geschrumpft.

Eckhaus, Zustand September 2016; Foto: Gunnar Klack

Eckhaus, Zustand September 2016; Foto: Gunnar Klack

Baubeschreibung

Die Neubauplanung am Fraenkelufer beinhaltet die Elemente Torhäuser, Eckhaus, Brandwandbebauung, Gartengestaltung und Altbausanierung:

Die Baulücken wurden durch die Torhäuser am Fraenkelufer Nr. 38 und 44 geschlossen. Sie fallen durch die Luftgeschosse mit den querstehenden Stützen, den konkav geschwungenen und nach oben hin gebogenen Balkone mit ihren filigranen Geländern und den spitzbogigen Giebeln im Dachgeschoss, ins Auge. Die an der Uferseite errichteten Torhäuser greifen die Konturen und Straßenfluchten der Nachbargebäude auf, heben sich jedoch gleichzeitig durch eine minimale Geschossabsetzung, durch ihre großen Glasflächen, die geschwungenen Formen und ihre Farbgebung, ebenso wie durch die höhere Anzahl der Geschosses ab. Durch die Einfügung dieser Bauten soll das Neue mit dem Alten verknüpft werden. Die Betonpilotis der Luftgeschosse sind nicht nur formal motiviert, sondern haben auch eine konstruktive Funktion: sie verbinden Lastenschwerpunkte mit dem jeweiligen Schwerpunkt der Fundamente, wodurch zusätzliche Biegespannungen für die Stützen, insbesondere im Giebelbereich der Torhäuser, entfallen.

Die reinen Wohnbauten haben straßenseitig jeweils fünf Vollgeschosse und nehmen je 10 Wohneinheiten auf, von denen je 2 Wohnungen als Maisonette-Typ zur Hofseite hin ausgestaltet sind. Zur Straßenseite haben alle Wohnungen einen großen Wohnraum mit Balkon. Zudem verfügen sie über eine Küche, ein Bad, ein Gäste-WC und 1-2 Schlafräume. Auffällig im Innern sind die nicht-rechtwinkligen Wandstellungen, teilweise sogar mit Rundungen versehen: von den Architekten wird damit ein komplexes Aneignungsverhalten der Bewohner gefordert, das gleichzeitig dazu beitragen soll, dass keine Wohnung der anderen gleicht, auch wenn die Grundrisse übereinander völlig symmetrisch sind. Außerdem sollen durch die so entstehenden Blickbeziehungen neue Wohnerlebnisse und Raumempfindungen hervorgerufen werden.

Zu den nebenanliegenden Bestandsbauten wird durch die straßenseitig neu angefügten Balkone eine Verbindung hergestellt. Diese sind jedoch nicht in geschwungenen Formen – wie bei den Neubauten – sondern in Adaption an die bestehende Substanz zurückhaltend horizontal gestaltet. Lediglich die Art der Geländer – geschmiedet und farblich in den gleichen Tönen gehalten – lässt eine subtile Zusammengehörigkeit erkennen. Hofseitig sind Austritte angebracht, die gleichzeitig als mögliches Begrünungsgerüst dienen können und sollen. Bei der Modernisierung wurde behutsam vorgegangenen, d.h. die Fenster und Türen wurden ertüchtigt und die Sanitäranlagen auf den damaligen Standard gebracht.

Das Eckhaus an der Admiralstraße setzt einen Akzent an der Spitze des Blocks und markiert den Eingang in den neuen „Wohnhof“. Hier befinden sich insgesamt 19 Wohneinheiten, die komplex über sieben Geschosse gestapelt sind. Die Grundrisse werden über das über Eck verlaufende Grundstück, das sowohl die Admiralsstraße als auch das Fraenkelufer miteinander verbindet, entwickelt. Jedes Geschoss ist individuell ausgestaltet, die Wohnungen sind hier großzügiger als in den Torhäusern: es gibt im Eckbau auch Drei-Zimmer und Vier-Zimmer Wohnungen.

Die Brandwandbebauung entstand entlang der 110 lange Rückseite des Elisabeth-Hofs und beherbergt insgesamt 48 Wohnungen. Bis einschließlich zur 3. Volletage gibt es über Privattreppchen direkten Gartenanschluss. Zwei obere Geschoss sind im Dachraum untergebracht, denen teilweise Dachterrassen zugeordnet sind. Auch in der Brandwandbebauung wiederholen sich die Elemente geschwungener Balkon, spitzbogige Giebel und Gauben.

Zudem gehört zur Gesamtanlage der große Innenhof, der gartenarchitektonisch gestaltet wurde.
Der durchwegte Innenhof ist modelliert, es gibt einen Teich, Spiel- und Ruheplätze sowie die privaten Gärten, die den Wohnungen in der Brandwandbebauung zugeordnet sind. Es gibt keine Abtrennungen wie Mauern, oder Zäune zwischen den verschiedenen Nutzungszonen, diese werden alleine durch Bepflanzungen und Geländemodellierungen hergestellt.

Ausführung und Ausstattung:
Stahlbetonwände bzw. Mauerwerk, Holzbalkendecken feuerbeständig ummantelt, Stahlbetonfertigteile für Treppen und Balkone; Holzfenster mit einfacher Isolierverglasung, Stahlzargentüren, Teppich / Fliesen, WW-Heizung, Gasherd, Badewanne, Gäste-WC.

Torhaus, Zustand Juli 2012; Foto: Gunnar Klack

Torhaus, Zustand Juli 2012; Foto: Gunnar Klack

Planungsgeschichte

Im September 1979 wurde mit der Drucksache Nr. 81 in der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, die noch stehenden Häuser am Erkelenzdamm und Fraenkelufer zu erhalten, einen Kanaluferweg anzulegen und für das Blockinnere Nutzungskonzepte erarbeiten zu lassen. Zusammen mit der Bauausstellung begann im Oktober ein offenes Verfahren mit zahlreichen Bürgerversammlungen, um ein städtebauliches Neubaukonzept für den Block 70 (und den nebenan liegenden Block 89). Ende des Jahres werden dann vier Gutachter (Hahn, Urbanke-Medebach-Rechleit, Siza, Baller) vom Bezirk Kreuzberg und der IBA aufgefordert, „Vorschläge zur Stadtreparatur“ einzureichen. Im Februar 1980 wurden diese vier Gutachten im Rahmen eines ersten Zwischenberichts dann vorgestellt. Grundlage für die weitere Bearbeitung wurde das Gutachten der Ballers.

Das Konzept der Ballers sah vor, den Block 70 mit Neubauten zu schließen, die zusammen mit dem denkmalgeschützten Gewerbehof Elisabeth-Hof und dem neu entstehenden Schulhof an die alte „Kreuzberger Mischung“ anzuknüpfen. Neben den Neubauten ist auch die Modernisierung der noch vorhandenen Altbauten vorgesehen. Da die Neubauten die bestehenden Gebäude um ein Dachvollgeschoss überragen, sollte auch auf den Altbauten der Dachraum ausgebaut werden, was jedoch aufgrund von technischen und Verfahrensgründen zurückgestellt werden musste.

Die Außenraumgestaltung ist einer der wichtigsten Aspekte und beinhaltet neben der Uferpromenade auch die Gestaltung eines Volksparks. Der langgestreckte Park sollte entlang des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals entstehen, der über ein „Kastanienwäldchen“ an der Kottbusser Brücke eingeleitet wird. Ein großes Promenadenrondell am Wassertorplatz (ausgeführt) soll den Block von der Skalitzer Straße abschirmen. Ursprünglich sollte eine Überhöhung unter der Hochbahn hindurch auf die gegenüberliegende Seite der Skalitzer Straße führen, dieser Plan wurde jedoch nicht ausgeführt.

Zudem sollte im bereits entkernten Hof ein halböffentlicher Raum entstehen, der sich durch seine besondere Gestaltung hervorheben sollte. Als neues Element verbindet er die Alt- und Neubauten zu einem Ganzen. Zur Gartenplanung schreibt das Ehepaar Baller: „Über einen Teich entwickeln sich mehrere Gartenebenen, die vom Hauptwegenetz erschlossen sind, dem Wasser nahe Spiel- und Ruheplätze, der Brandwandbebauung zugeordnet Metergärten. Abtrennungen zwischen den verschiedenen Nutzungszonen sind durch Geländemodellierungen, Gehölzgruppen bzw. heckenartige Bepflanzungen vorgesehen, d.h. keine Mauern, Zäune usw. und auch keine Fahrstraßen mit Bordsteinen.“ (Schreiben vom 21.10.1981, Bauaktenarchiv Kreuzberg-Friedrichshain.) Der Hof wurde zudem ebenfalls gemeinsam mit den zukünftigen Anwohnern geplant.

1981 wurde das Bebauungsplanverfahren für beide Blöcke eingeleitet. Es fanden von Anfang an Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung statt, und auch die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, war von Beginn an integriert.[4] Gleichzeitig kam es immer wieder zu Protesten, die durch die Polizei „aufgelöst“ wurden, ab den 1980ern auch weiterhin zu Hausbesetzungen, gerade am Franekelufer und auch zu Räumungen. „Professor Baller (…), den die Polizei erst gar nicht zu seinem Richtfest durch die Kreuzberger Absperrung lassen wollte, hatte sich in den Kopf gesetzt, ‚eine Blume nach Kreuzberg zu tragen, etwas hinzustellen, wo man sich auch ‘n Kuß geben kann vor der Tür.‘“[5] Bei den Neubauten handelt es sich um sozialen Wohnungsbau, der eine soziale Durchmischung garantieren sollte. Die Bauarbeiten waren 1985 abgeschlossen.

Die Verfasser

Hinrich Baller wurde 1936 in Stargard (heute Szczeciński, Polen) geboren. Baller studierte an der Technischen Universität Berlin. Er war von 1973 bis zu seiner Emeritierung Professor an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.

Inken Baller wurde am 23. Mai 1942 in Tondern (DK) geboren. Ab 1985 war sie Gastprofessorin, ab 1989 ordentliche Professorin an der Gesamthochschule Kassel, seit 1996 hielt sie den Lehrstuhl für Entwerfen und Bauen im Bestand an der BTU in Cottbus, dort war sie auch als Vizepräsidentin für Lehre tätig. Sie wurde am 23. Mai 2007 emeritiert.

Die Ballers arbeiteten von 1967 bis 1989 in einer Bürogemeinschaft zusammen. Auch nach der Trennung von Hinrich Baller setzte Inken Baller ihre Architektentätigkeit erfolgreich fort. Zu ihren Schöpfungen zählt das Gebäude der „WeiberWirtschaft“ 1990 in Berlin, ein Umbau im Bestand unter besonderen ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten.

Hinrich Baller ist seit 1989 mit der Architektin Doris Baller verheiratet, mit der er gemeinsam sein Büro weiterführt. Er sieht seine Bauten auch als Beitrag des Konzeptes „Biotope City“, das in Großstädten weltweit Naturbereiche einzugliedern versucht. Die Landschafts- und Gartengestaltung vieler Bauten geht oft zurück auf seinen langjährigen Landschaftsarchitekten Raimund Herms.

Realisierte Bauten

Zu den bekannten Arbeiten gehören unter anderem:
• 1979, 1980–1982: Wohnsiedlung ‚documenta urbana‘ in Kassel, städtebauliche Planung (gemeinsam mit anderen) und Gebäudeplanung (gemeinsam mit Inken Baller)
• 1981: Neubau des Philosophischen Instituts (mit Bibliothek) der Freien Universität Berlin an der Habelschwerdter Allee in Berlin-Dahlem (gemeinsam mit Inken Baller)
• 1988: Doppelstöckige Turn- und Sporthalle am ‚Nassen Dreieck‘, Berlin-Charlottenburg;
• 1988: Wassertorplatz in Berlin-Kreuzberg
• Kindergarten und Wohngebäude am Winterfeldtplatz in Berlin-Schöneberg.
• 1998–2000 (August): Einkaufszentrum mit 200 Wohnungen an der Landsberger Allee 171, das ‚Castello‘
• 1999–2002: Wohnhäuser an der Nuthestraße in Potsdam-Babelsberg, bekannt unter dem Namen ‚Nutheschlange‘.
• 2002: Umbau der ‚Rosenhöfe‘ an der Rosenthaler Straße in Berlin-Mitte

Endnoten:

[1] ↑ Idee, Prozess, Ergebnis. Die Reparatur und Rekonstruktion der Stadt, Hrsg.: Berlin, Senator für Bau- und Wohnungswesen, Berlin/West 1984, S. 152.
[2] ↑ Ebd.
[3] ↑ Internationale Bauausstellung, 1984–1987, Berlin, West: Projektübersicht Stadterneuerung und Stadtneubau. Internationale Bauausstellung Berlin ’84 ’87 (Stand Oktober ’82), Berlin 1982, S. 66.
[4] ↑ Internationale Bauausstellung, 1984–1987, Berlin, West: Projektübersicht Stadterneuerung und Stadtneubau. Internationale Bauausstellung Berlin ’84 ’87 (Stand Oktober ’82), Berlin 1982, S. 66.
[5] ↑ Vgl. Bauausstellung Berlin GmbH [Hrsg.], „Grün oder Beton?“, städtebaulicheAuseinandersetzung um die Spitze des Blocks 89, Berlin 1984.

Literatur und Quellen

• Stark, Ulrike: Hinrich und Inken Baller,, Stuttgart 1998.

• Amann, Renate: Hoffnung auf ein neues Bauen? Wohnbauten von Hinrich und Inken Baller in Berlin, in: Archithese, 19.1989,3, S. 23-29.

• Helga Fassbinder: Hinrich and Inken Baller, in: A+U, 12/1986, 195, S. 75–130.

• Internationale Bauausstellung, 1984–1987, Berlin, West: Projektübersicht Stadtneubau und Stadterneuerung. Internationale Bauausstellung Berlin 1987 (Stand September ’84) Berlin, 1984.

• Internationale Bauausstellung, 1984–1987, Berlin, West: Projektübersicht Stadterneuerung und Stadtneubau. Internationale Bauausstellung Berlin ’84 ’87 (Stand Oktober ’82), Berlin 1982.

• Kleihues, J.P. (ed), International Building Exhibition Berlin, 1987, Rizzoli, N.Y., 1986, S. 265.

• Idee, Prozess, Ergebnis. Die Reparatur und Rekonstruktion der Stadt, Hrsg.: Berlin, Senator für Bau- und Wohnungswesen, Berlin/West 1984, S. 152–159.

• Ullmann, Gerhard: Die große Geste: Wohnbebauung am Franekelufer in Berlin-Kreuzberg, Deutsche Bauzeitung (DB) 4/1987, Jg. 121, S. 34–35.

• Bauausstellung Berlin GmbH [Hrsg.], „Grün oder Beton?“, städtebaulicheAuseinandersetzung um die Spitze des Blocks 89, Berlin 1984.

Internet:

http://housingprototypes.org/project?File_No=D006

http://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm0301/030117.htm

http://www.architectureinberlin.com/?page_id=121

http://www.la-belle-epoque.de/berlin/ballerd.htm

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/gsw-wirft-architekt-baller-planungsfehler-vor-vorzeigehaeuser-am-fraenkelufer-schimmeln,10810590,9510978.html