Wohnpark am LützowplatzBeitrag von Anne Funk und Dirk Kaden

• Lage: Einemstraße 18, 20, 20A/B/C, 24, Kurfürstenstraße 59, 60, Lützowplatz 1, 3, 5, 15, Lützowstraße 57–60, 60A/B, 61, 61A, 62–64, 64A/B/C, 65, 66
• Gebäudetypen: Wohnhäuser, Stadtvillen, Bürogebäude, Umspannwerk, Kindertagesstätte
• Bauzeit: 1985–92
• Bauherr: GeWeGe Berlin, DIIAG Berlin, KapHag Berlin, THG Berlin, BEWAG Berlin, Land Berlin
• Architekten: Hans-Peter Störl, Hans Heidenreich, Michael Polensky, Reinhard Vogel, Helmut Zeumer (AGP Heidenreich Polensky Vogel Zeumer) Siegfried Gergs, Dietrich Bangert, Bernd Jansen, Stefan Scholz, Axel Schultes (B.J.S.S Bangert Jansen Scholz Schultes), Werner Goehner, Cristian de Portzamparc, Harald Deilmann, Mario Botta, Peter Cook mit Kontaktarchitekten Hinrich Baller und Inken Baller, Finn Bartels, Christoph Schmidt-Ott, Heinz Hilmer, Christoph Sattler (Hilmer & Sattler), Stefan Schroth, Emilio Battisti, Pierluigi Nicolin, Karl Dudler, Max Dudler, Klaus Baesler, Bernhard Schmidt, Ante Josip von Kostelac mit Brigitta Barba und Hans Berzenberger
• Gartenarchitekt: Gartenbauamt Tiergarten, Hannelore Kossel

Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Berlin 1987 entstand im Demonstrationsgebiet Südliches Tiergartenviertel der Wohnpark am Lützowplatz. Die Wohnanlage mit weiteren Bauten und Anlagen der sozialen und technischen Infrastruktur umfasst einen Großteil des Blocks 234, der von der Lützowstraße, der Derfflingerstraße, der Kurfürstenstraße, der Einemstraße und dem Lützowplatz begrenzt wird.

Der Wohnpark am Lützowplatz beinhaltete folgende Projekte der IBA 87:
Projekt 18: Wohnpark am Lützowplatz, Einemstraße 18–20C, 24, Lützowplatz 1, 3, 5, 15, Lützowstraße 57–60, 60A/B, 61, 61A, 62–64, 64A/B/C, 65, 66 [1]
Projekt 19: Kindertagesstätte im Wohnpark, Lützowstraße 61A [2]
Projekt 20: Stadtvillen an der Kurfürstenstraße, Kurfürstenstraße 59, 60 [3]

Folgende Architekten bzw. Büros zeichneten für die Gebäude und Anlagen verantwortlich:
• Hans Peter Störl: Wohnhaus Lützowstraße 66 und Stadtvilla Lützowstraße 64A
• AGP Heidenreich Polensky Vogel Zeumer: Wohnhaus Lützowstraße 65
• Siegfried Gergs: Wohnhaus Lützowstraße 64 und Stadtvillen Lützowstraße 64B und 60B
• B.J.S.S. Bangert Jansen Scholz Schultes: Wohnhäuser Lützowstraße 61–63 und Lützowplatz 5
• Werner Goehner: Stadtvilla Lützowstraße 64C
• Cristian de Portzamparc: Wohnhäuser Lützowstraße 59/60
• Harald Deilmann: Wohnhäuser Lützowstraße 57/58
• Mario Botta: Wohnhaus Lützowplatz 1
• Peter Cook mit Kontaktarchitekten Hinrich Baller und Inken Baller: Wohnhaus Lützowplatz 3
• Finn Bartels und Christoph Schmidt-Ott: Stadtvilla Lützowstraße 60C
• Hilmer & Sattler: Bürogebäude Lützowplatz 15/Einemstraße 22, 24, Stadtvilla Kurfürstenstraße 59
• Stefan Schroth: Stadtvilla Einemstraße 20C
• Emilio Battisti: Stadtvilla Einemstraße 20B
• Pierluigi Nicolin: Stadtvilla Einemstraße 20A
• Karl Dudler und Max Dudler: Umspannwerk Einemstraße 18
• Klaus Baesler und Bernhard Schmidt: Kindertagesstätte Lützowstraße 61A
• Ante Josip von Kostelac mit Brigitta Barba und Hans Berzenberger: Stadtvilla Kurfürstenstraße 60
• Gartenbauamt Tiergarten: Spielplatz im Innenbereich des Blocks 234
• Hannelore Kossel: Gartenanlagen Kurfürstenstraße 59, 60

Wohnhäuser Lützowplatz 1–5, Straßenansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Wohnhäuser Lützowplatz 1–5, Straßenansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Die städtebauliche Ausgangssituation vor den IBA-Planungen und Entwicklungen im Umfeld
Der Bebauungsplan für Berlin, Charlottenburg und Umgebung („Hobrechtplan“) von 1859/60 bildete das Grundgerüst für die städtebauliche Entwicklung des heutigen Blocks 234 und dessen Umgebung. 1867 ließ der Unternehmer Georg Friedrich Kielgan das Gebiet zwischen Nollendorfplatz und Lützowplatz auf Basis eines von ihm vorgegebene Bebauungsplans („Kielganscher Bebauungsplan“) parzellieren. Ein Merkmal dieses Bebauungsplans war die Binnenerschließung des Blocks 234 durch von der Derfflingerstraße ausgehenden Stichstraßen (Ulmenstraße, Buchenstraße). Die Bebauung erfolgte mit repräsentativen Stadtvillen in offener Bauweise, wovon heute die ehemaligen Villen „Rossmann“ (Kurfürstenstraße 58, erbaut 1878/79, Umbau 1926 und 1978–80, heute Nutzung als „Cafe Einstein“), „Schwatlo“ (Kurfürstenstraße 57, Derfflinger Straße 12, erbaut 1869/70, Umbau 1938–40), „Maltzahn“ (Derfflingerstraße 8, erbaut 1872/73, heute Nutzung als Schulbibliothek des Französischen Gymnasiums) und „Ullstein“ (erbaut 1894, Umbau und Erweiterung 1911 und 1929) zeugen. Am Lützowplatz entstanden herrschaftliche Häuser (heute erhalten Lützowplatz 7 und Lützowplatz 9 „Haus am Lützowplatz“, erbaut 1873). Das so entstandene Kielgan-Viertel war eine gutbürgerliche Wohngegend.

Der 2. Weltkrieg hinterließ einen zerstörten Block 234. In den 1950er und 1960er Jahren bestimmte die Verkehrsplanung die städtebauliche Entwicklung rund um den Lützowplatz. Der für den Lützowplatz und Block 234 geltende Bebauungsplan II-60 vom 12. März 1964 beinhaltete einen Stadtumbau im Sinne der „autogerechten Stadt“.[4] Die Einemstraße wurde mehrspurig ausgebaut. Die Lützowstraße erhielt eine großzügige Verschwenkung in den Lützowplatz. Im Verlauf der Kurfürstenstraße war der Bau einer Stadtautobahn – der Südtangente – geplant. Am Lützowplatz 11 und 13 entstand der Neubau der Hauptverwaltung der Preussag (erbaut 1965, Architekt: Friedrich Wilhelm Kraemer, heute Nutzung durch die Stiftung Warentest) und der Wohnhäuser Derfflingerstraße 2, 3–5, Lützowstraße 67, 67A, Die den Krieg überstandenen Mietshäuser Derfflingerstraße 1/Lützowstraße 68, Einemstraße14/Kurfürstenstraße 61 und Einemstraße 16 blieben erhalten, während nichterhaltenswerte bzw. kriegsbeschädigte Bauten in der Derfflinger Straße 9 und 10, Ulmenstraße 4, Kurfürstenstraße 59 und Lützowstraße 65 abgerissen wurden. In den Jahren 1972 bis 1974 erfolgte der Neubau des Französischen Gymnasiums (Derfflinger Straße 7–11) nach einem Entwurf des Architekten Hans-Joachim Pysall als zeittypischer Großschulbau (Bildungszentrum). Für den Neubau wurden die Stichstraßen Ulmenstraße und Buchenstraße aufgegeben und überbaut.[5]

Wohnhäuser Lützowstraße 57–66, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Wohnhäuser Lützowstraße 57–66, Straßenansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Bis Mitte der 1970er Jahre waren große Teile des Südlichen Tiergartenviertels nur fragmentarisch wiederaufgebaut. Auf dem Gebiet lasteten die Planungen zum Umbau Berlins als „autogerechte Stadt“. Mit dem 1973 durchgeführten Städtebaulichen Ideenwettbewerb Landwehrkanal/Tiergartenviertel, der auch Initial für die spätere IBA 87 war und das Areal des Blocks 234 einschloss, rückte die Themen des innerstädtischer Wohnungsbau, der Aufgabe der überzogenen Straßenverkehrsplanung und der Straßenrückbau in den Vordergrund. Die West-Berliner Senatsbauverwaltung als Auslober des Wettbewerbs erwartete von den Teilnehmern im Rahmen einer städtebaulichen Gesamtkonzeption Vorschläge für eine neue Stadtraum- und Nutzungsstruktur. Der Wettbewerb endete mit der Vergabe von zwei 2. Plätzen an die Architektengemeinschaften BJS Bangert Jansen Schultes und Heiß/Brand/Weichenmyr. Zusammen mit den Dritt- und Viertplazierten wurden die Architekten in der gemeinsamen Projektgruppe „Planungsgruppe Landwehrkanal“ vereint. Diese überarbeitete in den Folgejahren bis 1977 zusammen mit der Freien Planungsgruppe Berlin (FPB) das städtebauliche Entwicklungskonzept für Teile des Südlichen Tiergartenviertels. Mit der beginnenden Institutionalisierung der IBA 87 ab1978 wurde die von der „Planungsgruppe Berlin“ und FPB entwickelte städtebauliche Rahmenplanung aufgegeben. Die IBA 87 legte das Südliche Tiergartenviertel als ein Demonstrationsgebiet fest. Neue Bebauungsvorschläge für den Block 234, der in den späten 1980er Jahren eine städtebaulich fragmentarischen Eindruck machte und einer Stadtreparatur bedurfte, sollte die Internationale Bauausstellung 1987 erbringen.

Die städtebauliche Aufgabe/Demonstrationsziele der Bauaustellung
In Vorbereitung der Internationalen Bauausstellung 1984 bestanden für den Block 234 folgende Demonstrationsziele und Schwerpunkte: Randbebauung am Lützowplatz, Wohnpark am Lützowpark, Kindertagesstätte am Lützowplatz, Blocköffnung für Fußgänger zwischen Einem-, Derfflinger- und Lützowstraße.

Bürogebäude Einemstraße 22-24, Straßenansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Bürogebäude Einemstraße 22-24, Straßenansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Die Internationale Bauausstellung 1987 definierte folgende Demonstrationsziele: IBA-Projekt 18, Wohnpark am Lützowplatz: „Neuordnung des Blocks unter besonderer Berücksichtigung der stadträumlichen Vorgaben“, „städtebauliche Neufassung der Blockränder bei Aufnahme der vorhandenen Traufhöhen“, „Übersetzung des Bautyps der bürgerlichen Villa in Bedingungen heutigen Mehrfamilienwohnens“, „Anbindung der Durchwegung des Blockinnenbereichs an die Erschließungswege des nördlich anschließenden Stadthausquartiers und an den Lützowplatz“, „Wohnen in Stadtvillen an den privaten Grünflächen im Blockinnenbereich“, „Integration behindertengerechter Wohnungen, besonders für therapeutische Wohngemeinschaften, sowie Berücksichtigung entsprechender Wohnfolgeeinrichtungen für Kinder“, „städtebauliche und architektonische Einbindung eines Umspannwerkes in die Blockrandbebauung“[6], IBA-Projekt 19, Kindertagesstätte und Spielplatz im Wohnpark: „Verbesserung der Versorgungssituation für das Südliche Tiergartenviertel, insbesondere des westlich angrenzenden Einzugsbereiches sowie des Wohnparks am Lützowplatz“,[7] IBA-Projekt 20, Stadtvillen an der Kurfürstenstraße: „Stadtvillen als städtebauliche Lösung von offener zu geschlossener Bauweise“, „Reparatur eines durch Kriegszerstörung gekennzeichneten Gebietes unter Respektierung der historischen Bezüge und Bauformen“, „Übersetzung des Bautyps der bürgerlichen Villa in Bedingungen heutigen Mehrfamilienwohnens“.[8]

Bauliche Daten und Beschreibung
An der Lützowstraße, Lützowplatz und Einemstraße bilden die neuen mehrgeschossige Wohnhäuser und Bürobauten der IBA zusammen mit der Altbebauung eine geschlossene Blockrandbebauung. Im Blockinnenbereich wird die Altbebauung durch mehrgeschossige Stadtvillen, den Neubau der Kindertagesstätte und der Anlage eines Spielplatzes ergänzt. An der Kurfürstenstraße befinden sich zwei im Rahmen der IBA errichtete Stadtvillen. Die Blockinnenbereiche werden durch Wege erschlossen. In den zur IBA erstellten Wohnbauten befinden sich 215 Wohnungen sowie neben Einzelhandel- und Gastronomiebetrieben ein Behindertenzentrum. Die neugeschaffene Gewerbeflächen und Nutzflächen für ein Verbraucherinformationszentrum umfassen ca. 9.300 m².

Wohnhäuser Lützowstraße 61–66, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Wohnhäuser Lützowstraße 61–66, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Die Wohnhäuser und Stadtvillen Lützowstraße 64–64C, 65, 66:
Der 1985 fertiggestellte Bauteil umfasst 4 Häuser in Blockrandbebauung sowie 3 Stadtvillen und beinhaltet 81 Wohnungen mit 2 bis 4 Zimmern, die im Mietwohnungsbau des 1. und 3. Förderweges sowie als Eigentumswohnungen im Erwerbsmodell vom Bauträger GeWeGe Berlin, Gesellschaft für Wohn- und Geschäftsbau mbH und Co. Bauträger KG errichtet wurden. Grundstückseigentümer ist Kurt Franke. Die Betreuung und Vermietung der Wohnungen liegt in den Händen des Unternehmens Franke Baubetreuung.[9]

Die eine geschlossene Randbebauung bildenden Wohnhäuser Lützowstraße 61–66 sind ca. 19 m hoch und 12 m tief, erstrecken sich über 6 Geschosse und werden von einem 25° geneigte Satteldach abgeschlossen. Die Entwürfe für die Bauten stammen von Hans Peter Störl, AGP Heidenreich Polensky Vogel Zeumer, Siegfried Gergs und B.J.S.S. Bangert Jansen Scholz Schultes, Mittig im Haus Lützowstraße 66 befindet sich eine Durchfahrt zur Erschließung des Innenbereichs des Blocks. Die Häuser zeichnen durch eine eigenständige Fassadengestaltung aus. Das zur Straßenseite verklinkerte Erdgeschoss hebt sich von den folgenden verputzten Obergeschossen ab. Die Hoffassaden sind spannungsreich durch eingezogen Wintergärten bzw. Loggien gestaltet. Den Erdgeschosswohnungen stehen zum Teil Mietergärten mit direktem Zugang von der Wohnung zur Verfügung. Das Wohngebäude Lützowstraße 61–63 des Architekturbüros B.J.S.S. mit 3 Aufgängen verfügt in den obersten Geschossen über Maissonett-Wohnungen, deren Lage sich in der Fassadengestaltung abliest. Ein interessantes Gestaltungselement der Straßenfassade dieses Hauses ist ein in den Straßenraum vorspringender Hahnenkopf.

Stadtvillen Lützowstraße 64A–C, Aufnahme März 2012; Foto: Dirk Kaden

Stadtvillen Lützowstraße 64A–C, Aufnahme März 2012; Foto: Dirk Kaden

Die drei Stadtvillen Lützowstraße 64A/B/C im Innenbereich haben jeweils eine Grundfläche von 12 x 12 m. Sie sind von Vorgärten umgeben. Die Kuben der 4-geschossigen Villen sind in gelben Sichtmauerwerk und weißen Putzflächen ausgeführt. Eine Jede Villa hat einen eigenständigen Dachabschluss: Haus Lützowstraße 64A von Hans-Peter Störl ein an den vier Mittelrisaliten endendes kreuzförmiges Satteldach, Haus Lützowstraße 64B von Siegfried Gergs vier auf die Eckrisalite aufgesetzte Pyramiden und Haus Lützowstraße 64C von Werner Goehner ein auf den inneren Kubus aufgesetztes flachgeneigtes pyramidenförmiges Walmdach.

Die Wohnhäuser und Stadtvillen Lützowstraße. 57–59, 60–60B, Lützowplatz 1, 3, 5:
Dieser Bauteil umfasst die Blockrandbebauung an der Lützowstraße und am Lützowplatz sowie zwei Stadtvillen im Innenbereich. Die Blockrandbebauung ist 6-geschossig, während die Stadtvillen auf quadratischen Grundriss über 4 Wohngeschosse verfügen. In den Häusern befinden sich insgesamt 76 Wohnungen. Als Bauträger fungierten die DII AG Berlin und KapHag Berlin. Die Finanzierung erfolgte für die Häuser Lützowstraße 57–60 im 3. Förderweg, für die Häuser Lützowplatz 1, 3, 5 im 1. Förderweg und für die Stadtvillen Lützowstraße 60A/B als Eigentumsmaßnahme.[10]

Wohnhof mit Spielplatz Lützowplatz 1-5, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Wohnhof mit Spielplatz Lützowplatz 1-5, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Die Häuser Lützowstraße 59/60 mit 15 Wohnungen und Lützowstraße 57/58 mit 16 Wohnungen besitzen jeweils 2 Aufgänge. Die Fassaden mit der Fassung des Erdgeschosses in Ziegel und darüber liegenden verputzen Obergeschossen auf der Straßenseite sowie mit vorgesetzten oder eingelassen Loggien auf der Hofseite führen die Fassadengestaltung der Blockrandbebauung Lützowstraße 61–66 fort.

Die Straßenfassaden des von Mario Botta entworfen Eckhauses Lützowplatz 1 mit 15 Wohnungen sind mit einer Backsteinschicht verkleidet. Das Erdgeschoss und das 1. Obergeschoss setzen sich durch Fassadeneinschnitte für Fenster und Eingänge und den mit zwei Säulen akzentuierten Hauptzugang am Straßeneck von den darüber liegenden 2. bis 5. Obergeschoss ab. Im Raster angeordnete quadratische Fenster und ein gleichmäßiges Muster aus gelben Ziegeln lockern die Fassaden auf. Die Wandstücke der eingezogene Hausecke Lützowstraße/Lützowplatz sind durch einen Spalt für Fenster geteilt.

Das Wohngebäude Lützowplatz 3 von Peter Cook mit 13 Wohnungen verweist in seiner Fassadengestalt auf die sinnlich-romantisch verspielte Architektursprache der beteiligten Kontaktarchitekten Hinrich und Inken Baller. Das Wohnhaus charakterisiert eine weiß verputzter, asymmetrisch gestalteter, mit halbrunden Giebeln abgeschlossener Fassadenaufbau. Die Stahlkonstruktionen der Wintergärten sind der Straßenfassade direkt vorgestellt.

Wohnhaus Lützowplatz 3, Peter Cook/Hinrich Baller/Inken Baller, Zustand März 2012, Foto: Dirk Kaden

Wohnhaus Lützowplatz 3, Peter Cook/Hinrich Baller/Inken Baller, Zustand März 2012, Foto: Dirk Kaden

Das 6 Wohnungen umfassende Haus Lützowplatz 5 des Architekturbüros B.J.S.S. besitzt eine rasterartig aufgebaute mit Ziegeln verkleidete Straßenfassade mit großflächigen Glasflächen. Die Aufteilung und Gestaltung der Fassade gibt die Anordnung der Maisonette-Wohnungen im Inneren des Gebäudes wieder.

Wohnhaus Lützowplatz 5, B.J.S.S., Zustand März 2012, Foto: Dirk Kaden

Wohnhaus Lützowplatz 5, B.J.S.S., Zustand März 2012, Foto: Dirk Kaden

Die von Finn Bartels und Christoph Schmidt-Ott entworfene Stadtvilla Lützowstraße 60C ist ein mit gelben Ziegeln verblendeter und mit roten horizontalen Ziegelbändern versehener Kubus, der mit einen sehr flach geneigten pyramidenförmigen Satteldach seinen Abschluss findet. Die Stadtvilla Lützowstraße 60B von Siegfried Gergs ist ein Pendant der vom selben Architekten geschaffenen Stadtvilla Lützowstraße 64B. Den Dachabschluss des Gebäudes charakterisieren vier auf die Eckrisalite aufgesetzte Pyramiden. Die beiden Stadtvillen umfassen jeweils 5 Wohnungen.

Stadtvilla Lützowstraße 60A, Finn Bartels/Christoph Schmidt-Ott, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Stadtvilla Lützowstraße 60A, Finn Bartels/Christoph Schmidt-Ott, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Stadtvilla Lützowstraße 60B, Siegfried Gergs, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Stadtvilla Lützowstraße 60B, Siegfried Gergs, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Das Bürogebäude und die Stadtvillen Einemstraße 20–20C, 22, 24, Lützowplatz 15:
Als weiterer Bauteil des Wohnparks am Lützowplatz entstanden ein Bürohaus als Blockrandbebauung und vier 5-geschossige Stadtvillen in Mischnutzung von Wohnen und Büro im Blockinnenbereich. Bauträger war die THG Treuhandelsgesellschaft AG Berlin.

Der Entwurf stammt vom Architektenbüro Hilmer & Sattler. Das Bürogebäude hat 6 bis 7 Geschosse. Über dem 2-geschossigen Sockelbereich folgen bandartig unterteilte Obergeschosse. Der 7-geschossige Gebäudeteil schließt mit einem weit in den Straßenraum auskragenden Dachabschluss ab.

Die Stadtvilla Einemstraße 20 als Wohn- und Geschäftshaus beherbergt im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss Büroräume. Im 2. bis 4. Obergeschoss befinden sich Wohnungen. Hellverputzte Wandflächen trennen die das Gebäude umgebenden Fensterbänder. Aus dem 2. und 3. Obergeschoss ragen aus dem Baukörper laubengangartige Balkone heraus, im 4. Obergeschoss ist ein umlaufender Laubengang. Das Haus Einemstraße 20A von Pierluigi Nicolin umfasst Büroräume und Wohnungen. Der mit roten Ziegel verkleidete Baukörper besitzt unregelmäßig angeordnete Fensteröffnungen. Für das von Emilio Battisti entworfene Haus Einemstraße 20B sind neben der Klinkereinfassung, den eingezogenen Hauseingang und den angesetzten verglasten Wintergärten über 4 Geschosse die ausgeschnitten Dachterrassen markant. Das Wohnhaus Einemstraße 20C, entworfen von Stefan Schroth, besitzt eine mit roten und gelben Ziegelbändern gestaltete Fassade. Vom 1. bis zum 3. Obergeschoss treten aus dem Baukörper verglaste Wintergärten als Erker hervor. Das Dachgeschoss ist umlaufend zurückgesetzt und wird von einem weit auskragenden Dach geschlossen.

Das Umspannwerk Einemstraße 18:
Das von Karl und Max Dudler entworfene Umspannwerk „Lützow“ entstand als Schalt- und Trafohaus im Auftrag der Berliner BEWAG. Das Gebäude ist bis zu acht  Geschosse hoch und besitzt eine sechs Etagen hohe Tordurchfahrt. Sonst charakterisiert ein quadratisch-symmetrischer Aufbau die Fassadengestaltung. Das Umspannwerk ist ferngesteuert. Es dient der Transformation elektrischer Energie von 110 KV auf 6 kV und von 380 V und 60 V. Im Inneren befinden sich eine 110 kV-Schaltanlage, eine 10 kV-Schaltanlage, 110/6 kV-Transformatoren, ein Instrumentenraum, eine Stromversorgung  für den Eigenbedarf und eine Tonfrequenz-Sendeeinrichtung.[11]

Umspannwerk, Karl Dudler/Max Dudler, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Umspannwerk, Karl Dudler/Max Dudler, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Umspannwerk Einemstraße 18, Hofansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Umspannwerk Einemstraße 18, Hofansicht, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Die Kindertagesstätte und der Spielplatz im Wohnpark Lützowstraße 61A:
Der Bau der Kindertagesstätte und die Anlage des vorgelagerten Spielplatzes im Blockinnenbereich erfolgte 1989/90 im Auftrag des Landes Berlin nach Plänen der Architekten Klaus Baesler und Bernhard Schmidt. Die Grundstücksfläche der Kita beträgt 2.360 m² und umfasst 113 Plätze.

Die Baukosten beliefen sich auf 5,9 Mio DM. Das mit Klinkern verkleidete Gebäude führt das Prinzip der Stadtvillen des Kielgan-Viertels fort. Die Kita bildet einen Ehrenhof. Die Seitenflügel sind 1-geschossig und der Hauptbau 2-geschossig.

Kindertagesstätte, Klaus Baesler/Bernhard Schmidt, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Kindertagesstätte, Klaus Baesler/Bernhard Schmidt, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Die beiden Enden des Hauptbaus sind leicht erhöht und schließen mit einem flachengeneigten pyramidenförmigen Walmdach ab. Der Hof ist abgesenkt. Die Gestaltung des Spielplatzes stammt vom Gartenbauamt Tiergarten. Der Platz hat eine Grundstücksfläche von 1.948 m² und kostete in der Erstellung 0,4 Mio DM.[12] Durch seine geschwungenen Geländekonturen bildet der Garten des Spielplatzes einen Kontrast zum rechteckigen Hof der Kindertagesstätte. Der Platz besteht aus einem Kleinkinderspielbereich und einem allgemeinen Spielbereich. Als Gestaltungs- und Nutzelemente kommen begrünte Rasenflächen, Bauminseln, Sitzmöglichkeiten und mit Ziegeln verblendete, gemauerte Hochbeete zum Einsatz.

Die Stadtvillen Kurfürstenstraße 59 und 60:
Die beiden Wohnhäuser Kurfürstenstraße 59 mit 16 Wohnungen und Kurfürstenstraße 60 mit 18 Wohnungen, entstanden 1988–90. Als Bauherr und Bauträger trat die THG Treuhandelsgesellschaft AG Berlin auf. Die Mietwohnungen wurden im 1. Förderungsweg finanziert. Die Gestaltung der Außenanlagen erfolgte nach einem gartenarchitektonischen Entwurf von Hannelore Kossel.

Das von Ante Josip von Kostelac mit Brigitta Barba und Hans Berzenberger entworfene Wohnhaus Lützowstraße 60 besitzt 7 Geschosse und ein Flachdach. Es ist an den Brandgiebel des Altbaus Kurfürstenstraße 61 angebaut. Die oval aufgebogene  Hauptfassade orientiert sich zum Garten und ist abwechslungsreich gestaltet.

Stadtvilla Kurfürstenstraße 60, Ante Josip von Kostelac/Brigitta Barba/Hans Berzenberger, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Stadtvilla Kurfürstenstraße 60, Ante Josip von Kostelac/Brigitta Barba/Hans Berzenberger, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Das 4-geschossige frei stehende Wohnhaus Kurfürstenstraße 59, entworfen von Hilmer & Sattler, hat die Form eines Kubus und wird durch ein flach geneigtes Dach mit weitem Überstand abgeschlossen. Die Fassaden sind symmetrisch aufgebaut. Über einen gestreiften Sockelband erheben sich die drei Hauptgeschosse. Ein umlaufendes Profilgesims trennt das 4. Geschoss von den darunter liegenden Geschossen ab. Der Straßenseite zugewandt befinden sich die Einfahrt zur Garage und der Zugang zum Haus.

Stadtvilla Kurfürstenstraße 59, Hilmer & Sattler, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Stadtvilla Kurfürstenstraße 59, Hilmer & Sattler, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Planungs- und Baugeschichte
Im Frühjahr 1980 erfolgte die Ausschreibung des Internationalen Wettbewerbs Wohnpark am Lützowplatz mit der städtebaulich-/baulichen Aufgabenstellung der Neuordnung des östlich an den Lützowplatz angrenzenden Blocks 234 zwischen Lützowstraße, Derfflinger Straße, Kurfürstenstraße und Einemstraße. Ziele des Wettbewerbs waren Ideenbeiträge zur Ergänzung und Neuordnung der Blockstruktur, die Entwicklung eines Freiraumkonzepts für den Block, der Umgang mit den Straßenräumen, dem Lützowplatz und der stadträumliche Situation im IBA-Demonstrationsgebiet Südliches Tiergartenviertel. Leitthema war das Wohnen in der Innenstadt.[13] Im Juni 1981 stand das Ergebnis fest. Prämiert wurden die Arbeiten von Herbert Gergs und Siegfried Gergs (1. Preis), Bernd Hellriegel und Hermann Neuerburg (2. Preis), Klaus Baesler und Bernhard Schmidt (3. Preis), R. M. Kerling, K. Osterhuis und F. von Dongen (4. Preis), Andreas Keller, Kyio Papayannis und Sandro von Einsiedel (ein 5. Preis), Rudolf Hauser (ein 5. Preis), AGP Arbeitsgruppe Stadtplanung, Bauplanung, Programmierung Berlin (ein 5. Preis) und Christoph Mäckler (ein 5. Preis). Die Jury empfahl als Grundlage der Realisierung die städtebauliche Konzeption des 1. Preises von Herbert und Siegfried Gergs sowie die Beteiligung der weiteren Preisträger und Ankäufe.[14]

Kindertagesstätte, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Kindertagesstätte, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Nach der Idee des 1. Preisträgers sollte die Neuordnung des Blocks 234 mit mehrgeschossigen Blockstrukturen statt einer geschlossenen Blockwand erfolgen. Eingestellte Turmhäuser (Villen) stellten eine Antwort gegen eine strenge Blockbebauung dar. Die Architekten fassten ihre Idee als „Gedanken zum Blockgefüge“ zusammen. Die Blockstruktur ist dabei ein „Blockgefüge“ mit 4 Geschossen sowie 6 Geschossen am Lützowplatz und der Einemstraße. Der von Gergs & Gergs gedachte Villenblock stellte eine Reaktion auf den Bestand des Französischen Gymnasiums mit der Villa Ullstein und der Villa Maltzahn dar. Zwischen den Schulhof und dem Lützowplatz planten die Architekten eine 18 bis 24 m breite Zentrale Allee.[15]

Im September 1981 erfolgte eine Überarbeitung des Wettbewerbs. Das Gebiet wurde in Planungs- und Bauabschnitte von 7 bis 9 Architekten aufgeteilt. An der Einemstraße war die Ansiedlung des DIE  Deutsches Institut für Entwicklungspolitik geplant. Im Dezember 1981 ist die Planung auf Grundlage der Überarbeitung des Wettbewerbs festgesetzt worden. Als Architekten für die Umsetzung wurden Gergs, Baesler & Schmidt, Hauser, Goehner, Hilmer & Sattler und von Kostelac vorgeschlagen. Innerhalb eines Seminars im April 1983 ist das Blockkonzept nochmals modifiziert und diskutiert worden. Weitere Abstimmungen und Überarbeitungen erfolgten im Juni und im September 1983. Dabei ist die Rücknahme der geplanten Straßenbaumaßnahmen und der Erhalt der alten Fluchtkanten, die Ausbildung einer geschlossene Blockrandbebauung an der Einemstraße, am Lützowplatz und an der Lützowstraße mit 5–6 Geschossen, eine Blockdurchwegung in Bezug auf die Planung der Torhäuser an der Lützowstraße, die Standorte für die Kindertagesstätte und den Spielplatz, die Auflösung der inneren Bebauung in Einzelbaukörper (Stadtvillen) festgelegt worden.[16]

Stadtvilla Kurfürstenstraße 59, Hauseingang, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Stadtvilla Kurfürstenstraße 59, Hauseingang, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Die Gesamtplanung und der Entwurf des Feinprogramms für Block 234 standen im Juni 1984 fest. Die IBA beauftragte für die Umsetzung die Architekten Gergs, Hause, Baesler & Schmidt, AGP Berlin sowie Goehner. Ziele waren u. a. die Neuordnung des Blocks unter der Berücksichtigung des umgebenden Stadt- und Landschaftsraumes, die Übersetzung des Bautyps der bürgerlichen Villa in Bedingungen des heutigen Mehrfamilienwohnens (Stadtvilla), die Schaffung einer Durchwegung des Blockinnenbereichs und die wohnungsnahe Integration einer Kindertagesstätte und eines Spielplatzes. Des weiteren sollte der Wohnpark ein Modellfall für unterschiedliche Finanzierungs-, Förderungs- und Eigentumsformen sein.

Die erwartete Baugenehmigung für die Häuser musste im Juli 1984 mit Verweis auf den bis dato rechtsgültigen Bebauungsplan (B-Plan II-60) versagt werden. Im Mai 1985 lag ein neuer Bebauungsplanentwurf (B-Plan II-122 Lützowplatz Ost – Block 234) vor. Der Bebauungsplan bildete die planungsrechtliche Basis für den Rückbau von Straßenverkehrsfläche sowie einer Bebauung des Blockrandes und der Innenbereiche mit freistehenden Wohngebäuden.[17] Auf einem Planungsseminar im April 1985 erfolgte die Festlegung, dass für den Teilbereich Lützowstraße 58–59 und Lützowplatz 1–5 ein Bauherrenwettbewerbs durchgeführt werden soll. Als Architekten für diesen Bereich wurden das Büro B.J.S.S., Peter Cook, Mario Botta und Harald Deilmann ausgewählt. Für die Bebauung Lützowstraße 60–66 sollten in Wahrnehmung der Bauträgerschaft durch das Bauunternehmen Frank Baubetreuung die Architekten Siegfried Gergs, Bartels & Schmidt-Ott, Christian de Portzamparc und die Büros B.J.S.S. und AGP tätig sein.[18]

Wohnhaus Lützowstraße 58/59, Zufahrt zur Tiefgarage, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Wohnhaus Lützowstraße 58/59, Zufahrt zur Tiefgarage, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Der Bauherrenwettbewerb für das Bebauungsareal Lützowstraße 58–59 und Lützowplatz 1–5 ist im Dezember 1986 ausgeschrieben, an 37 potentielle Anbieter versandt und im April 1987 entschieden worden. Nach 3 Finanzierungsarten für den Wohnungsbau erfolgte eine Einteilung in 3 Abschnitte. Zur Bewertung kam die Umsetzung und Kosten der Entwurfsplanungen der Architekten durch die teilnehmenden Bauträger. Ein weiteres Ziel war die Erlangung von Baukostenangeboten.[19]

Im Verlauf der Jahre 1987–88 wurden die Häuser Lützowstraße 63-66 sowie das Bürohauses und das Umspannwerk in der Einemstraße fertiggestellt. Zeitgleich erfolgte der Rückbau der Straßen im Einmündungsbereich der Lützowstraße in den Lützowplatz. 1988 war Baubeginn für die Häuser Lützowstraße 62-57 und Lützowplatz 1-5 sowie für die Stadtvillen Kurfürstenstraße 59 und 60. Die Kindertagesstätte ging ab 1989 in Bau. Ein Jahr später war die Baufertigstellung der Häuser Lützowstraße 62–57 und Lützowplatz 1–5 sowie der Baubeginn für die Stadtvillen Einemstraße 20–20C, die im darauffolgenden Jahr fertig gestellt wurden. Dabei ist die Stadtvilla Einemstraße 20 nicht nach einem Entwurf des Architekten Daniel Libeskind, sondern von einem anderen Architekturbüro realisiert worden. 1992 fand der Bau des Wohnparks am Lützowplatz als Projekt der Internationalen Bauausstellung 1987 seinen Abschluss.

Zu den beteiligten Architekten

• Hans-Peter Störl ist ein Architekt aus Berlin.

• Die Architektengruppe AGP Heidenreich Polensky Vogel Zeumer aus Berlin, bestand aus den Architekten Hans Heidenreich, Michael Polensky, Reinhard Vogel, und Helmut Zeumer.

• Der Architekt Siegfried Gergs wurde 1953 in Stuttgart geboren. Die im Rahmen der IBA 87 im Wohnpark am Lützowplatz entstanden Bauten stellen die ersten realisierten Projekte des Architekten dar. Im Jahr 2000 erfolgte die Gründung der Partnergesellschaft freier Architekten Gergs & Blum.

• B.J.S.S. Bangert Jansen Scholz Schultes war ein Architekturbüro in Berlin, das von 1972 bis 1991 bestand. Axel Schultes, geboren am 17. November 1943, betrieb das Büro zusammen mit Dietrich Bangert, Bernd Jansen und Stefan Scholz. Von 1987 bis 1991 arbeite B.J.S.S. mit der Architektin Charlotte Frank zusammen. Nach Auflösung von B.J.S.S. gründeten Axel Schultes, Charlotte Frank und Christoph Witt das Büro Axel Schultes Architekten.

Wohnhaus Lützowstraße 61–63, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Wohnhaus Lützowstraße 61–63, B.J.S.S., Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

• Werner Goehner wurde 1943 geboren und studierte in Karlsruhe und Paris Architektur. Er war ein Schüler von Oswald Mathias Ungers.

• Der französische Architekt und Stadtplaner Christian de Portzamparc ist am 5. Mai 1944 in Casablanca (Marokko) geboren worden. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für künstlerisches Schaffen am College de France. 2002 zeichnete der Architekt für den Entwurf der französischen Botschaft in Berlin verantwortlich.

Stadtvillen Einemstraße 20, 20A–C, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

Stadtvillen Einemstraße 20, 20A–C, Zustand März 2012; Foto: Dirk Kaden

• Harald Deilmann wurde am 30. August 1920 in Gladbeck geboren und starb am 1. Januar 2008 in Münster (Westfalen). Er war deutscher Architekt, Hochschullehrer und Buchautor.

• Der Architekt Mario Botta wurde am 1.April 1943 in Mendriso (Schweiz, Kanton Tessin) geboren. Er lebt und arbeitete als Architekt und Professor in der Schweiz.

• Peter Cook, geboren am 22. Oktober 1936 in Southend-on-Sea (Großbritannien), ist ein britischer Architekt und Buchautor. Cook war Mitglied der utopischen englischen Architektenvereinigung „Archigram“. Für den Bau des Hauses Lützowplatz 3 arbeitete er mit den Kontaktarchitekten Hinrich und Inken Baller zusammen.

• Die Architekten Finn Bartels und Christoph Schmidt-Ott betreiben ein Architekturbüro in Berlin.

• Heinz Hilmer und Christoph Sattler gründeten 1974 in München Büro Hilmer & Sattler. Heinz Hilmer wurde 1936 in Münster (Westfalen) geboren und war bis zur Gründung von Hilmer & Sattler bei der Bayrischen Staatsbauverwaltung und der Planungsabteilung des Wohnungsbauunternehmens NEUE HEIMAT BAYERN (NH Bayern) tätig. Christoph Sattler, geboren 1938 in München, arbeitete ebenfalls vor der Bürogründung in der Planungsabteilung der NH Bayern. 1991 zeichnete das Büro Hilmer & Sattler für die Gesamtplanung des Potsdamer Platzes in Berlin verantwortlich. Seit 1997 firmiert das Büro unter Hilmer & Sattler und Albrecht GmbH.

• Der Architekt Stefan Schroth, geboren 1934, lebte und arbeitete in Berlin. 2008 verstarb Schroth in Berlin

• Emilio Battisti ist Architekt und Buchautor aus Mailand (Italien).

• Pier Luigi Nicolin wurde 1941 geboren und arbeitet als italienischer Architekt und Buchautor.

Wohnhäuser Lützowstraße 57–63, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Wohnhäuser Lützowstraße 57–63, Hofansicht, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

• Die selbstständigen Schweizer Architekten Karl Dudler (geboren am 18. November 1949) und Max Dudler arbeiteten als Partner in den frühen 1980er Jahren zusammen. 1986 wurde die Büropartnerschaft um Pete Welbergen erweitert. Seit 1992 sind die Architekten mit jeweils eigenen Architekturbüros tätig

• Im Jahr 1979 gründeten Bernhard Schmidt (geboren am 21. Juni 1949) und Klaus Baesler das gemeinsame Architekturbüro BSP, das vorrangig in West-Berlin und seit 1990 im wiedervereinigten Berlin mit dem Bau von Wohnhäuser, Hotels und Kindertagesstätten beauftragt wurde. Klaus Baesler verstarb im Jahr 2010.

• Ante Josip von Kostelac wurde am 19. September 1937 in Waradin (ehem. Jugoslawien) geboren. Er war als Architekt in Deutschland, in Ex-Jugoslawien und im heutigen Kroatien tätig. Die Stadtvilla in der Kurfürstenstraße projektierte er in Zusammenarbeit mit Brigitte Barba und Hans Berzenberger.

• Hannelore Kossel ist eine Garten- und Landschaftsarchitekten mit eigenem Büro in Berlin. Sie war und ist seit den 1980er Jahren an zahlreichen Projekten als Gartenarchitektin tätig.

Erhaltungszustand und Bedeutung
Die bauzeitlich entstandenen Gebäude und Anlagen des Wohnparks sind heute unverändert erhalten und werden genutzt. Das Ensemble von Wohnhäusern, Stadtvillen, Bürogebäude, Umspannwerk, Kindertagesstätte und Spielplatz hat eine geschichtliche und städtebauliche Bedeutung. Die Realisierung des Wohnparks ist Ergebnis des 1973 durchgeführten Wettbewerbs Landwehrkanal/Tiergartenviertel, der Folgeplanungen im Südlichen Tiergartenviertel vor der Institutionalisierung der IBA, des 1980/81 durchgeführten Wettbewerbs Wohnpark am Lützowplatz und der folgend in Planungsseminaren erstellten städtebaulichen Rahmenplanung. Dieser Planungs- und Bauprozess ist geschichtlich von Bedeutung. Den Entwurf des 1. Preisträgers des Wohnpark-Wettbewerbs 1980/81 von Herbert und Siegfried Gergs bestimmte eine Ordnung des Blocks mit einzelnen Blockeinheiten als „Blockgefüge“. Im Zuge der kollektiven Weiterarbeit von Wettbewerbspreisträgern, weiteren Architekten und der Bauausstellung Berlin GmbH entwickelte sich in Planungsseminaren eine neue städtebauliche Struktur. Diese definierte eine geschlossene bzw. halboffene Bebauung an den blockbegrenzenden Straßen und die Bebauung im Blockinneren mit Stadtvillen. Grundgerüst der Binnenerschließung stellte eine „Blockdurchwegung“ dar. In einem Bauherrenwettbewerb 1986 wurden verschieden Modelle der Finanzierung gegeneinander abgewogen und zur Umsetzung gebracht.

Wohnhaus Lützowplatz 1, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Wohnhaus Lützowplatz 1, Zustand Oktober 2012; Foto: Dirk Kaden

Die IBA 87 definierte den Begriff des Wohnparks als eine auf einen Block bezogene innerstädtische Bebauung aus Wohnhäusern und Stadtvillen. Der Wohnpark stellte die Basis der Verwirklichung verschiedener Bauträger-, Wohn- und Finanzierungsformen innerhalb eines größeren Projekts dar. Die zur IBA 87 realisierte Neubebauung des Wohnparks am Lützowplatz setzt sich aus einer geschlossenen Blockrandbebauung an der Lützowstraße, dem Lützowplatz und der Einemstraße sowie einer Bebauung mit Stadtvillen an der Kurfürstenstraße und im Blockinnenbereich zusammen. Des weiteren entstand im Inneren des Blocks eine Kindertagesstätte und die Anlage eines Spielplatzes. Die Neubauten der IBA geben den Block seine durch Kriegszerstörungen und dem Neubau des Französischen Gymnasiums in den 1970er Jahren verlorengegangen städtebauliche Stabilität zurück. Der Wohnpark am Lützowplatz interpretiert das im 2. Weltkrieg zerstörte Kielgan-Viertel neu. Bis zum Bau des Französischen Gymnasiums erfolgte eine Binnenerschließung des Blocks durch Stichstraßen (Ulmenstraße, Buchenstraße). Diese wurde im neu entstandenen Wohnpark durch die „Blockdurchwegung“ ersetzt. Auch wenn die „Blockdurchwegung“ infolge der Abgrenzung der einzelnen Grundstückseigentümer nur eingeschränkt funktioniert und die halböffentlichen Räume nicht eindeutig bestimmt sind, stellte diese doch einen interessanten Ansatz zur Erschließung des Blocks dar. Die Stadtvillen sind eine zeitgemäße Bau- und Wohnform aus der Tradition und der Interpretation der Villen des Kielgan-Viertels. Der Wohnpark am Lützowplatz mit seinen Bauten und Anlagen ist ein wichtigen Baustein der von der IBA definierten Stadtreparatur im Südlichen Tiergartenviertel.

Endnoten

[1] ↑ Internationale Bauausstellung Berlin 1987, Projektübersicht, S. 52 ff.
[2] ↑ ebd., S. 58.
[3] ↑ ebd., S. 59.
[4] ↑ B Rep. 168, Nr. 1305.
[5] ↑ B. Rep. 168, Nr. 1948.
[6] ↑ Internationale Bauausstellung Berlin 1987, Projektübersicht, S. 52.
[7] ↑ ebd., S. 58.
[8] ↑ ebd., S. 59.
[9] ↑ Internationale Bauausstellung Berlin 1987, Projektübersicht, S. 52.
[10] ↑ ebd.
[11] ↑ B Rep. 168, Nr. 726.
[12] ↑ Internationale Bauausstellung Berlin 1987, Projektübersicht, S. 58.
[13] ↑ B Rep. 168, Nr. 1948.
[14] ↑ B Rep. 168, Nr. 1947.
[15] ↑ B Rep. 168, Nr. 1305.
[16] ↑ B Rep. 168, Nr. 1304.
[17] ↑ B Rep. 168, Nr. 726.
[18] ↑ B Rep. 168, Nr. 1304.
[19] ↑ B Rep. 168, Nr. 1294.

Quellen

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• Bauakten im Bauaktenarchiv des Bezirks Mitte von Berlin.

• Burg, Annegret; Crippa, Maria Antonietta: Stadtbild Berlin. Identität und Wandel, Milano Tübingen 1991.

• Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Berlin, Bezirk Mitte, Ortsteile Moabit, Hansaviertel und Tiergarten, hrsg. vom Landesdenkmalamt Berlin, bearbeitet von Jürgen Tomisch, Matthias Donath, Angelika Kaltenbach, Klaus von Krosigk, Heino Neumayer, Gabriele Schulz, Petersberg 2005.

• Internationale Bauausstellung Berlin 1987, Projektübersicht, aktualisierte und erweitere Ausgabe, Berlin 1991.

• Kleihues, Josef Paul: Die IBA vor dem Hintergrund der Berliner Architektur- und Stadtplanung des 20. Jahrhunderts. In: Lampugnani, Vittorio Magnago (Hrsg.): Schriftenreihe zur Internationalen Bauausstellung Berlin. Die Neubaugebiete. Dokumente Projekte. Modelle für eine Stadt. Berlin 1984, S. 24–36.

• Kleihues, Josef Paul. (Hrsg.): Die Projekte (Internationale Bauausstellung Berlin 1984, Die Neubaugebiete, Heft 7), Berlin, 1993.

• Kleihues, Josef; Klotz, Heinrich (Hrsg.). Internationale Bauausstellung Berlin 1987. Beispiele einer neuen Architektur, Ausstellungskatalog DAM Frankfurt a.M., Stuttgart 1986.

• LAB B Rep. 168 Internationale Bauausstellung Berlin – Neubaugebiete, Nr. 726, 1254, 1294–1297, 1301–1306, 1328, 1944–1948.

• Lampugnani, Vittorio Magnago (Hrsg.): Modell für eine Stadt (Internationale Bauausstellung Berlin 1984, Die Neubaugebiete, Heft 1), Berlin 1984.

• Nitsche, Rainer: Ein Rundgang, Bauten, Schauplätze, Veranstaltungen (Internationale Bauausstellung Berlin 1987), Berlin 1987.

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• Schlusche, Günter: Die Internationale Bauausstellung Berlin. Eine Bilanz, Arbeitshefte des ISR, Berlin 1997.

• Senator für Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.): Städtebauliche Untersuchung Landwehrkanal/Tiergarten, Arbeitsbericht 1973 bis 1976, Berlin 1976.

• Senator für Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.); Zwoch, Felix: Idee, Prozeß, Ergebnis: Die Reparatur und Rekonstruktion der Stadt. Berlin 1984.

• Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen Berlin (Hrsg.): Internationale Bauausstellung Berlin 1987. Anlaß, Ziele, Verfahren und Ergebnisse, Berlin 1989.

• Stimmann, Hans: Städtebau vom „Europäischen Jahr des Denkmalschutzes“ bis heute. : AIV zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten Teil I: Städtebau. Berlin 2009, S. 349–455.

• 750 Jahre Architektur und Städtebau. Die Internationale Bauausstellung im Kontext der Berliner Baugeschichte, Ausstellungskatalog, Berlin 1987.