Beitrag von Simone Bogner

• Lage: Admiralstraße 16, früher 18e, Berlin-Kreuzberg
• Gebäudetyp: Wohnhaus
• Bauzeit: 1984–86
• Architekten: Kjell Nylund, Christof Puttfarken, Peter Stürzebecher
• Bauherr: Selbstbaugenossenschaft Berlin e.G.


Baubeschreibung

Das „Wohnregal“ ist ein Neubau in der Admiralstraße 16 und fällt vor allem durch seine Fassadengestaltung in Abgrenzung zu der umliegenden gründerzeitlichen Wohnbebauung ins Auge. Der Architekturprofessor Peter Stürzebecher und seine Mitarbeiter Kjell Nylund und Christof Puttfarken nutzten die Baulücke des ehemaligen Grundstücks Admiralstraße 18e, um zu demonstrieren, dass man aus Betonfertigteilen in Kombination mit Holz – einem Baustoff, der im Putzfassaden-geprägten Kreuzberg ins Vergessen geraten war und in dieser Art der Sichtbauweise noch nicht zur Anwendung gekommen war – modern, robust und preisgünstig Wohneigentum schaffen kann. Die zu diesem Zweck gegründete Selbstbaugenossenschaft Berlin e. G. errichtete sich „zwölf Holzhäuser übereinander in einem aus Fertigteilen zusammengesetzten Betonregal.“[Sack, Manfred: Das Haus der zwölf Häuser, in: DIE ZEIT, 17.04.1987, Nr. 17]

Es besteht aus den seitlichen haushohen Brandmauern, in der Mitte aus einem U-förmigen, den Bau aussteifenden Treppenhaus und je zwei Betonstützen davor. In dieses Traggerüst wurden die Betondecken eingelegt, meist alle zwei Stockwerke, da die Wohneinheiten zweigeschossig, wie „Häuser im Haus“ angelegt sind. Von Betonfacharbeitern wurde das siebenstöckige Betonskelett errichtet, von Zimmerleuten die Holzkonstruktion vorbereitet. Alles weitere wurde von den künftigen Bewohnern soweit wie möglich selbst ausgebaut.

Kjell Nylund/Cristof Puttfarken/Peter Stuerzenbecher, Wohnregal Admiralstraße, Zustand Juli 2012; Foto: Gunnar Klack

Kjell Nylund/Cristof Puttfarken/Peter Stuerzenbecher, Wohnregal Admiralstraße, Zustand Juli 2012; Foto: Gunnar Klack

Dem Gebäude ist ein Stahlgerüst vorgehängt, das zur Begrünung dient und für eventuelle Wohnungserweiterungen vorgesehen ist. Das Projekt wurde aus Fördermitteln des Landes subventioniert, die Miete konnte durch das Einbringen von „Muskelkapital“ und die Einlage in die Genossenschaft, auch von weiteren Förderern, außergewöhnlich niedrig gehalten werden.

Ausführung: Stahlbetonskelettbauweise, vorgefertigte Fassadenelemente; Zwischendecken, Wohnungstrennwände und Unterzuege aus Holz BGF 1.420 qm; Baukosten DM 3.600.000.

Die Admiralstraße war von der Flächensanierung in den 1970ern besonders stark betroffen. Viele Häuser waren bereits abgerissen worden und gerade hier sollte innerhalb der IBA demonstriert werden, wie man durch sogenannte „Selbsthilfeprojekte“ in enger Zusammenarbeit mit Kreuzbergern und „Instandbesetzern“ die Revitalisierung einer kaputtsanierten Straße erreichen kann. Langfristig sollte durch das Schaffen von Wohneigentum die Einwohnerstruktur gefestigt werden. Die Form der Genossenschaft als Bauherr wirkt über einen langen Zeitraum Immobilienspekulation und Investoren- Blockbildung vor.

Kjell Nylund/Cristof Puttfarken/Peter Stuerzenbecher, Wohnregal Admiralstraße, Zustand 2012; Fotos: Simone Bogner

Kjell Nylund/Cristof Puttfarken/Peter Stuerzenbecher, Wohnregal Admiralstraße, Zustand 2012; Fotos: Simone Bogner

Literatur
• Sack, Manfred: Das Haus der zwölf Häuser, in: DIE ZEIT, 17.04.1987, Nr. 17.

• Duwe, Paul F. u. Johaentges, Karl: Wohnregal zum Selbstausbau. Selbsthilfeprojekt Admiralstraße, in: db deutsche bauzeitung, Jg.: 121, Nr.4, 1987, S. 23–29.

• Stürzebecher, Peter u. Kjell Nylund: Das Wohnregal im Schnittpunkt der Linien: Bewohner planen, bauen und leben gemeinsam in der Admiralstrasse 16, Berlin-Kreuzberg : Internationale Bauausstellung, Berlin 1987.